Zeichnungen von Meike...
Oktober 2007 beendet...
Der Fluch...
Die Sonne schien im Coldwater Canyon. Die Vögel zwitscherten und die Schmetterlinge flatterten umher. Die meisten Menschen ließen sich faulenzend von der Sonne verwöhnen. Doch diese Idylle wurde durch ein lautes Geschrei gestört:
"Man, du triffst die Töne schon wieder nicht!" giftete Ron seinen kleinen Bruder Russell an. Die Brüder versuchten schon seit Wochen ein neues Album aufzunehmen.
"Ich habe so viele tolle neue Lieder geschrieben und du versaust alles!"
Russell war beleidigt. Er schmieß seine Kopfhörer auf den Boden und kickte das Mikrofon mit dem Fuß zur Seite.
Ron war außer sich vor Wut. "Hey, was soll das?"
Doch Russell ging wortlos an Ron vorbei. Er schnappte sich seine rot -weiße Ringeljacke und ging zur Tür. Diese schmiß er hinter sich zu, so das alle Fenster im Haus wackelten und einige Figuren vom Regal flogen.
Zurück blieb ein laut tobender Ron.
Russell ging durch die Straßen von Coldwater Canyon. Seine für die Hitze viel zu warme Jacke hatte er sich um seine Schultern gelegt. Nachdenklich setzte er sich auf eine kleine wackelige Bank.
"Wieso schaffe ich es nicht mehr, die einfachsten Töne zutreffen. ?"
Russell hatte in seinem Leben schon hunderte Lieder aufgenommen und dabei immer gesungen wie ein junger Gott. Doch wenn er jetzt versuchte zu singen, klang es, als wenn gerade ein Schwein abgeschlachtet wurde.
Er grübelte vor sich hin. Dabei setzte sich ein Marienkäfer auf seine Nase.
Er nahm ihn in seine Hand und plötzlich fiel ihm wieder ein, das er vor einiger Zeit ein eigenartiges Erlebnis hatte.
Ron und er waren wieder in L.A. unterwegs, um neue Klamotten zu besorgen, denn für ein neues Album braucht man auch ein neues Outfit. Also gingen sie zusammen in einen kleinen, aber netten Herrenausstatter am Rande der City. Dort fing grade eine neue Verkäuferin an, deren Namen sie sich leider nicht gemerkt hatten, obwohl sie von ihr sehr begeistert waren. Sie wurden schon lange nicht mehr so gut beraten. Russell, der stadtbekannte Playboy, versuchte natürlich, mit der jungen Verkäuferin zu flirten, doch diese ließ ihn eiskalt abblitzen. Natürlich bezog er es darauf, das er auch keine 20 mehr war. Früher hatte er nie Probleme damit, Frauen zu erobern. Ein Blick und sie waren ihm verfallen. Aber das gerade diese Frau ihm einen Korb gab, machte ihn doch nachdenklich.
Fluchtartig hatte er das Geschäft verlassen und ließ seinen staunenden Bruder und eine frech grinsende junge Verkäuferin ohne Erklärung stehen. Ob ihn das so zu schaffen machte, das er kaum einen richtigen Ton mehr traf?
Russell fing an zu begreifen. Er hatte sich in die Verkäuferin verliebt. Obwohl er sich geschworen hatte, niemals eine feste Bindung eingehen zu wollen.
Mittlerweile hatte eine ältere Frau sich neben ihn auf die Bank gesetzt. Sie schaute etwas verwundert auf Russell, denn er saß dort wie ein Häufchen Elend. Er bemerkte den Blick der Frau und bevor er weggehen konnte, zwang sie ihm ein Gespräch auf:
"Na, was haben Sie denn für ein Problem?"
Russell hatte eigentlich keine Lust auf ein Gespräch und erwiderte:
"Nein, nein, ich habe kein Problem, ich bin nur etwas müde..."
"Na, das glaube ich ihnen nicht!"
"Doch, das ist so!"
"Nein, nein, Sie sind bestimmt unglücklich verliebt!"
Russell konnte es nicht fassen, sah man ihm das tatsächlich an?
In der Zwischenzeit hat sich Ron auf die Suche nach seinem Bruder gemacht. Er war immer noch wütend und wollte wissen, was mit Russell los war. Nach langem Suchen sah er ihn auf der Bank sitzen. Russell bemerkte ihn nicht und Ron schlich sich leise von hinten heran und versteckte sich in einem Gebüsch, um ihn beim Gespräch mit der Frau zu belauschen.
"Ja, gut ich bin verliebt. Aber die Frau will nichts von mir wissen."
Die Alte holte aus ihrer Handtasche eine dicke Orange und begann sie zu schälen:
"Ich könnte ihnen vielleicht weiterhelfen, junger Freund..."
Russell schaute die Frau skeptisch an: "Wie denn? Sie kennen die Frau doch gar nicht!"
Die Frau lachte und teilte die geschälte Orange und hielt Russell ein Stück entgegen:
"Zufällig ist diese Frau meine Tochter..."
Russell der sich gerade das Stückchen Orange in den Mund steckte, war so verdutzt das er sich verschluckte.
Wieso sollte diese wildfremde Frau ausgerechnet die Mutter sein. Außerdem kennt sie die Verkäuferin doch gar nicht. Nicht mal er kennt ihren Namen. Er muß es mit einer Verrückten zu tun haben.
"Ohh, mein Gott" dachte er bei sich "womöglich war die Orange sogar vergiftet..."
Die Frau jedoch lachte, "nein, ich habe nicht vor, Sie zu vergiften!"
"Wie, kann die Frau auch noch Gedanken lesen?" es schauderte ihm.
Die Frau richtete sich vor ihm auf. Sie war gut 185 cm groß und ihre vorher so nette Art wandelte sich in einem harschen Tonfall:
"So, jetzt hör mal zu. Jeder Mann der sich in meine Tochter verliebt, wird von mir höchstpersönlich verflucht! Ich nehme ihm das, was ihm am wichtigsten ist. Und in Deinem Fall ist das wohl Deine Stimme!" mit Nachdruck zerquetschte sie den Rest der Orange direkt vor seiner Nase:
"Sobald Du nicht mehr an sie denkst, kriegst Du Deine Stimme wieder!"
Dann fing sie an zu hüpfen und ihre Gesichtszüge wurden immer wahnsinniger. Ihre Nase und ihr Kinn wuchsen und ihre Stimme wurde immer krächzender. Sie griff plötzlich hinter sich und schwang sich auf einen Besen. Auf diesem flog sie dann fies kichernd davon.
Russell traute seinen Augen nicht. Auf einmal hörte er eine vertraute Stimme:
"Na großartig, mein Playboy -Bruder hat sich in die Tochter einer Hexe verliebt!"
Ron zwängt sich aus dem Gebüsch und wischt sich die Blätter vom Jackett.
Russell kann es kaum glauben:
"Warst du etwa die ganze Zeit da?"
Ron spuckte noch ein paar Ameisen aus und sprach gelassen:
"Ja, reg Dich ab! Laß uns lieber überlegen, was wir jetzt machen sollen!"
Sie beschlossen erstmal mit Russells schicken 56er Ford Thunderbird in die Stadt zu fahren, um einen Kaffee zu trinken. Dabei wollten sie sich dann Gedanken machen, wie man den Fluch rückgängig machen könnte. Denn die Fans auf der ganzen Welt warteten auf das neue Album und wenn Russells Stimme versagt, mußten sie die vielen Fans vertrösten. Und sie wußten, wie die Fans darüber reagieren würden, nachdem sie schon ständig den Erscheinungstermin der neuen Live DVD verschieben mußten. Es hagelte laufend böse Briefe und Mails von wütenden Sparks-Anhängern.
In der Stadt angekommen, setzten sie sich in ihr Lieblingscafe, in dem sie eher selten von Fans erkannt werden und versuchten eine Lösung zu finden.
„So können wir doch nicht am neuen Album arbeiten. Meine Stimme hat vollkommen den Geist aufgegeben, ich kann nicht mehr singen.“
Ron schaute in die Gegend und murmelte „Als wenn du das je gekonnt hättest.“
Russell blickte erschrocken auf.
„Was war das grade bitte? Spinnst du jetzt? Seit wann fällst du mir denn in den Rücken? Dann nimm du doch das Album allein auf, mal sehen, was die Fans dazu sagen, wenn du mit deiner steifen Stimme die Songs vermurkst.“
„Ja, schon gut. Schon gut. Vielleicht würde es ja was bringen, wenn wir mit deiner Angebeten sprechen?“
Etwas nachdenklich rührte Russell etwas Zucker in seinen Kaffee und kippte etwas Milch rein. Irgendwie war der Kaffee heute nicht so toll, wie sonst. Vielleicht bildete er sich das aber auch nur ein. Er sah auf.
„In den Laden zurück? Zur Tochter einer durchgeknallten Hexe? Muß das sein?“ Er fuhr sich genervt durchs Haar.
Ron schlürfte seinen Kaffee und nickte.
„Vielleicht weiß die Kleine ja, was man gegen den Fluch ihrer Mutter machen kann.“
„Ja, vielleicht ist sie aber auch ne Hexe und verflucht mir noch was ganz anderes als meine Stimme.“ Er warf einen flüchtigen Blick an sich herunter.
„Meine Güte. Schlimmer als seine Gesangsstimme zu verlieren kann es ja für einen Sänger wohl kaum kommen, oder?“
„Ha, hast du ne Ahnung!“
Über zwei Stunden verbrachten sie in dem Cafe und überlegten, ob man nicht vielleicht doch mal mit der Tochter sprechen sollte. Aber Russell beschloß, das Ron zu überlassen, da er doch fürchtete, einem neuen Fluch zum Opfer zu fallen. Ron würde sicher nicht mit der jungen Verkäuferin flirten, also hatte er nichts zu befürchten.
Während Russell noch ein paar Kaffee trank (was ihn ab und an mal zur Toilette trieb), machte Ron sich auf den Weg zum Herrenausstatter.
Als er den Laden betrat, sah er schon die junge Frau mit den langen dunklen Locken an der Kasse stehen und mit einem Kunden sprechen. Also beschloß er, etwas zu warten, bis dieser Kunde gegangen war, um mit der Frau allein sprechen zu können.
„Oh, Sie sind das. Ihren Bruder haben Sie dieses Mal nicht mitgebracht? Hm, ist vielleicht auch besser so. Was kann ich denn für Sie tun, Sir?“
„Miss, mein Bruder Russell sprach vorhin mit einer Frau, die meinte ihre Mutter zu sein.“
Die junge Frau ging um den Tresen und bat Ron, sich mit ihr in ein Hinterzimmer zu setzen, um ungestört sprechen zu können. Eine Kollegin kümmerte sich in der Zeit um den Laden.
„Ich hatte mir schon gedacht, das meine Mutter sich wieder einmischen würde. Ich hoffe, mit Ihrem Bruder ist alles in Ordnung?“
Die Verkäuferin stellte zwei Gläser auf einen Tisch und goß Wasser ein.
„Kann man leider nicht sagen. Wissen Sie, wir sind Musiker von Beruf. SPARKS, haben Sie von dieser Band schon mal gehört? Wahrscheinlich nicht, in den USA kennt man uns ja kaum. Und Russ ist unser Sänger. Zur Zeit arbeiten wir an einem neuen Album und nun können wir nicht weiter machen, da seine Gesangsstimme hinüber ist.“
„Oh, natürlich kenne ich SPARKS. Ich komme auch nicht aus Amerika, sondern aus Europa. Ich bin vor einigen Jahren hier her geflüchtet, weil ich hoffte, so Ruhe vor meiner Mutter zu haben. Eigentlich wollte ich letztens ihren Bruder nur etwas an der Nase herumführen, damit er mal sieht, das nicht jede Frau gleich mit ihn ins Bett will. Das er aber gleich das Weite suchen würde, hätte ich nicht gedacht.“
„Ja, auch wenn es nicht danach aussieht, Russell ist ein sensibler Mensch und so eine Abfuhr macht ihm jedesmal schwer zu schaffen. Heute sogar mehr als früher, weil er glaubt, es läge an seinem Alter. – Ich weiß übrigens noch immer nicht, wie Sie heißen.“
„Oh, natürlich. Ich heiße Mary, mehr müssen Sie nicht über mich wissen, glauben Sie mir. Wenn meine Mutter auch hier in L.A. ist, dann muß ich vorsichtig sein, mit dem was ich Ihnen sage. Es tut mir wirklich sehr leid, das Ihr Bruder wegen mir verflucht wurde. Ich kann mich erinnern, das meine Mutter das jedesmal mit Jemanden gemacht hatte, der mit mir geflirtet hatte. Als junges Mädchen hatte ich mich oft gewundert, warum so mancher Junge nicht mehr mit mir gesprochen hatte.“
„Russell wollte nicht mitkommen, weil er fürchtete, es könnte ihn noch einmal treffen. Er wartet in einem Café auf mich.“ Mary, würden Sie vielleicht mit kommen und wir könnten versuchen, eine Lösung zu finden.“
Mary überlegte eine Weile, ob sie das tun sollten nachdem sie erfahren hatte, das ihre Mutter auch in Los Angeles ihr Unwesen trieb, aber sie willigte dann doch ein, da sie Russell gerne helfen wollte. Sie fühlte sich schuldig.
So fuhr Ron mit Mary zum Café zurück.
Russell hatte mittlerweile soviel Kaffee getrunken , das er immer nervöser wurde.
Plötzlich sah er seinen Bruder zur Tür hineinkommen. Er schluckte als er sah, wen er dabei sich hatte.
"Russell ich habe Mary mitgebracht, sie will uns helfen!"
Mary sah wie Russell einen hochroten Kopf bekam:
"..Ha-ha-hallo Mary.." krächzte er ihr verschüchtert entgegen. Ihm war alles so peinlich, das er am liebsten unterm Tisch gekrochen wäre.
"Tut mir leid das ich so arrogant zu ihnen war ,Russell. Ich habe es nicht so gemeint."
Ron bestellte für alle Kaffee und fragte
"Wie ist das möglich , das sie die Tochter einer Hexe sind?"
Mary schaute sich besorgt herum und antwortete:
"Nicht so laut, unter uns leben ganz viele Hexen..."
"Ich glaube ich träume das alles nur , gleich wache ich auf und alles war nur ein Alptraum.." meinte Ron und nahm den bestellten Kaffee entgegen.
Russell sah erschrocken zur Tür:
"Oh, nein dort ist Noel unser Manager! Der wird uns bestimmt gleich fragen , wie weit wir mit den Plattenaufnahmen sind..."
Ron und Russell versteckten sich unterm Tisch.
"Hey ,Ron ,hey Russ, was ist mit euren Aufnahmen? Es wird langsam Zeit, meint ihr nicht?" rief Noel und hob die Tischdecke dabei hoch. Ron und Russell grinsten ihn verlegen an und Ron tat so, als würde er auf dem Boden irgend etwas suchen,
"verdammt ,Russ du solltest auf die Kontaktlinsen verzichten und eine Brille tragen, so wie ich..."
Russell tat so , als wenn er eine Kontaktlinse gefunden hätte,
"ich hab sie.."
Mary schaute zu den beiden herunter:
"Ihr könnt mit dem Theater aufhören, er ist weg ."
Ron sah, wie Noel ein paar Tische weiter mit ein paar anderen Herren sprach. Sie rauchten dicke Zigarren und dem Zwirn zu urteilen ,den sie anhatten, mußten es reiche Geschäftsleute sein.
"Das ist Jackson, der Plattenboß!" flüsterte Ron ,"es wird Zeit das wir von hier verschwinden ,bevor wir unangenehme Fragen beantworten müssen."
So stiegen alle in Russells Auto und fuhren zu seinem Zuhause.
Russell konnte mittlerweile nur noch flüstern, und sagte: "Ich koch uns erstmal ein Kaffee.."
Ron und Mary schauten ihn entgeistert an und fragten ihn synchron: "Ist das Dein ernst..?"
Mary ließ sich auf ´s weiße Sofa fallen und schaute sich um.
Plötzlich fiel ihr etwas ein. "Gras-Karl! Wir müssen Gras-Karl finden!"
Ron zuckte mit den Schultern:" Wer um Gottes Willen ist denn Gras-Karl?"
Mary antwortete: "Gras-Karl ist ein Zauberer, er kann uns ein Zaubertrank geben, das den Fluch aufhebt!" sie zögert plötzlich und schaut raus in den Garten, "womöglich wohnt er sogar hier..." Russell und Ron verstanden nun gar nichts mehr. "Wieso sollte er hier wohnen?"
"Weil Gras-Karl ein Gartenzwerg ist.... ."Ron haute Russell auf die Schulter, "ha, ein Gartenzwerg, natürlich.!
Mary wurde ernst: "Soll ich euch jetzt helfen oder nicht? Dann müßt ihr mir schon glauben. Gras-Karl lebt irgendwo in einem Garten ,wo viele Gartenzwerge stehen, er liebt nämlich die Gesellschaft."
Russell schüttelt lachend den Kopf:
" Dann müssen wir also jetzt jeden Garten der Erde durchsuchen, in denen Gartenzwerge stehen?"
" das ist nicht nötig..!" piepste eine Stimme vom Fenster.
Russell traute seinen Augen nicht. Da steht doch tatsächlich sein Lieblingsgartenzwerg mit rosa Mütze, den er mal aus Deutschland von einer Reise mit gebracht hat und ist vollends lebendig.
"Gras- Karl" rief Mary voller Freude und lief auf den Gartenzwerg zu. Sie nahm ihn auf den Arm und kraulte seinen weißen Bart. Russell schaute eifersüchtig herüber.
"Hat deine Mutter wieder jemanden verflucht?" fragte der Zwerg und Mary erzählte die ganze Geschichte. Ron machte derweil ein paar Schnittchen und Russell machte das was er am besten konnte: Kaffee kochen.
Nachdem Mary dem kleinen Gartenzwerg die ganze Geschichte erzählt hatte, schaute Gras-Karl grimmig drein.
„Deine Mutter, das ist wirklich die fieseste Hexe die ich kenne. Will sie denn nicht endlich mit dem Unsinn aufhören? Als du noch ein junges Mädchen warst, war das verständlich. Aber mittlerweile bist du eine erwachsene Frau, Mary. Will sie denn nicht, das du endlich den Mann fürs Leben findest? Sie muß dich endlich los lassen!“
Russell nippte etwas genervt an seinem Kaffee und überlegte nur, wie viele Tassen er von dieser Brühe heute schon getrunken hatte. Naja, dachte er bei sich, besser als betrunken durch die Gegend zu wanken.
„So, da wir nun den Gras-Kerl gefunden haben, was passiert nun?“ Fragte Ron und sah besorgt zu seinem Bruder rüber.
„Ähäm, ich heiße Gras-KARL, nicht Kerl. Soviel mal dazu. Aber ich denke, ich kann euch helfen. Ich habe Mary bisher immer helfen können, wenn ihre Mutter wieder irgendwelche Flüche ausgesprochen hat.“
Russell sprang auf- das Gesicht sah etwas gequält aus und die Beine unnatürlich verdreht- und wollte etwas sagen, doch er entschied sich, das 6. Mal an diesem Abend zur Toilette zu flitzen. Als er zurück kam, standen die anderen bereits mitten im Zimmer und sahen ihn merkwürdig an.
„Was denn? Darf man sich nicht mal mehr in seinem eigenen Haus erleichtern? Das war sicher der 1000. Kaffee, den ich heute hatte.“
„Ach, das ist es nicht. Wir wollen raus in den Garten. Dort wuchern sicher einige Kräuter, die Gras-Karl brauchen kann.“ rief Mary erfreut.
Russell bekam gleich wieder rote Wangen, als Mary ihn ansprach und ihm auch noch in die Augen sah. Sowas kannte er gar nicht von sich. Sonst war er doch immer eher der Draufgänger und nun brachte ihn eine Frau völlig aus dem Konzept.
Alle wühlten nun in Russells Garten, wobei Ron sich seinen schicken neuen Anzug vollkommen ruinierte. Alles was sie fanden waren ein paar Nacktschnecken, Regenwürmer, komische Käfer und jede Menge Unkraut.
Ron wischte sich das Haar aus dem Gesicht (auch das stärkste Haargel hält nicht ewig!) und bemerkte nicht, das er sich damit das Gesicht mit Erde beschmierte. „Kann mir mal jemand sagen, wonach wir hier überhaupt suchen? Ich wühl und such und hab keine Ahnung, was ich suchen soll!“
„Oh, das hab ich vergessen zu erwähnen: nach einem grünen Kraut.“ Rief Karl aus einem Busch.
„Na, also das klärt die Sache doch vollkommen. Grünes Kraut. Warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen?! Gibt hier ja auch nur Tausende von Grünzeug! Könnte ich eine genauere Beschreibung haben?“
„Ron, reg dich nicht wieder so auf! Wir hatten heute schon genug Ärger.“ Zischte Russ seinen älteren Bruder an.
Während alle im Garten auf den Knien nach dem besonderen Kraut suchten, fuhr Manager Noel auf den Hof vor. Hinter ihm kehrte noch eine schwarze Limousine ein. Dort drinnen saß der Plattenfirmenboss Jackson. Jackson war ein stämmiger zwei Meter Hüne und hatte wie immer eine seiner dicken Zigarren im Mundwinkel. Noel stieg aus seinem Wagen ,einem roten BMW und ging zur Tür.
Er schellte einige Male, aber niemand öffnete. Schließlich waren Ron und Russell im Garten und konnten die Türklingel nicht hören.
"Komisch" , dachte sich Noel ," ich höre doch Stimmen..." nun schälte sich auch Jackson aus seiner Limousine, dessen Chauffeur ihm die Tür offen hielt. "Ich glaube die müssen im Garten sein, Mr. Jackson. Wir gehen einfach mal hintenrum." meinte Noel .
Ron fragte Gras-Karl:
"So , jetzt möchte ich eine ausführliche Beschreibung, wie das Kraut aussieht.“
Doch Gras-Karl bewegte sich plötzlich nicht mehr. Er schien auf einmal wieder ein ganz normaler Gartenzwerg aus Kunststoff zu sein. Ron wurde wütend und nahm Gras -Karl in die Hände:
"Los sprich mit mir, du blöder Gnom, los...."
Noel und Jackson die gerade in den Garten gekommen sind, sahen wie Ron mit dem Gartenzwerg schimpfte und schauten ihn entgeistert an.
Ron bemerkte den Besuch nicht und Russell versuchte ihn wild gestikulierend darauf aufmerksam zu machen.
Ron drehte sich um und begriff, was für einen komischen Eindruck er machen mußte und stellte Gras-Karl wieder ins Gras.
"Bist überarbeitet, nicht, Ron?" meinte Noel und schaute ihn mitleidsvoll dabei an.
Jackson nahm einen tiefen Zug seiner Zigarre und hauchte brummend:
"So, Zeit ist Geld, ich will jetzt die neuen Lieder für eure CD hören.
,damit wir sie schnellstens produzieren können..!"
Russell schluckte. Die beiden hatten höchstens zwei Songs aufgenommen und jetzt will Jackson die ganze CD hören.
Noel, der sich bei Russell auskannte führte Jackson ins Haus, als wenn es sein eigenes wäre. Russell und Ron gingen bedröppelt hinter ihnen her ,im Bewußtsein gleich ein riesiges Donnerwetter zu erleben.
Mary blieb zurück im Garten und Gras-Karl konnte sich wieder lebendig zeigen.
"Gras-Karl, jetzt kriegen die beiden ärger und ich bin Schuld. Was machen wir denn nun?"
Gras-Karl überlegte kurz und riß ein paar Kräuter aus dem Boden :
" Hier nimm das und mach einen Tee daraus. Es muß aber noch eine Spinne mit rein!"
"Ist das der Trunk für Russell?" fragte Mary und nahm das Kraut entgegen.
"Nein, ich habe das bestimmte Kraut noch nicht gefunden. Dieser Trunk ist für den Manager und dem Plattenboss. Gib es ihnen zu trinken."
Schnell rannte sie in die Küche und setzte Wasser auf.
"Momentmal, Gras-Karl sagte es müsse noch eine Spinne mit rein." dachte sich Mary und schaute in die Ecken an der Decke. "Spinnweben gibt es hier genug, da muß doch irgendwo eine Spinne zu finden sein."
Das Wasser kochte und Mary ging ins Wohnzimmer. Da saß doch tatsächlich eine dicke, fette Spinne an der Wand direkt hinter Russell.
Ron erzählte wie viele tolle Lieder er schon geschrieben habe und das ihre Fan Gemeinde ziemlich groß sei. Alles um den Plattenboss hinzuhalten.
Mary ging zu Russell. Ihm klopfte das Herz ganz laut und schnell. Sie beugte sich zu ihm rüber und er dachte sie wollte ihn umarmen.
Doch sie packte sich die Spinne und als Russell das sah fing er an zu schreien. Das heißt er wollte es, denn es kam nur ein leises Gequieke heraus. Er konnte es nicht fassen ,das Mary diese dicke Spinne mit der Hand anfaßt. Russell hat nämlich Angst vor Spinnen.
Mary lief mit der Spinne zurück in die Küche.
Noel fragte Russell:
"Hey, ist das wieder einer deiner vielen Freundinnen? Ich muß sagen dein Geschmack hat sich gebessert!" Noel lachte und selbst der muffelige Jackson zog seine Mundwinkel mal nach oben.
Ron war froh ,das die Aufmerksamkeit nun auf Mary überging und hoffte die beiden so weiter hinhalten zu können.
"Das ist Russells Verlobte.."
Alle schauten ungläubig und besonders Russell warf seinem Bruder einen fragenden Blick zu.
In diesem Moment servierte Mary den Tee. Sie hielt Noel und Jackson eine Tasse frisch gebrauten Kräuter-Spinnen-Tee entgegen, was die beiden natürlich nicht ahnten.
"Oh, ich bekomme einen Tee serviert von Deiner frisch verlobten Frau, dann nehme ich den doch gerne..."Mary schaute Russell mit einem fragenden Blick an und der grinste nur vor sich hin.
Jackson und Noel tranken den Tee genüßlich aus. Plötzlich verdrehten sie die Augen. Sie vielen beide zu Boden und machten Verrenkungen als würden sie Breakdance tanzen wollen. Dann wurden sie immer kleiner
und verwandelten sich in zwei dicke fette Spinnen.
Iiiiihhhh, wollte Russell schreien, konnte er aber nicht, so dachte er sich dies nur.
Ron nahm ein Glas und stülpte es über die beiden Spinnen:
"Mein Gott, was ist denn jetzt passiert?"
Da stand Gras-Karl plötzlich im Zimmer und sagte:
"Die beiden sind erstmal für ein paar Tage aus dem Weg."
Russell schaute mit angeekelten Gesicht auf das Glas.
"Das Kraut gibt es nicht in deinem Garten. Wir müssen in die Berge , ich weiß das es sie dort gibt."
Ron ,Russell , Mary und der Zwerg stiegen eiligst in Russells Auto und fuhren los. Jacksons Chauffeur ist derweil im Auto eingeschlafen und ahnte nicht was mit seinem Chef gerade eben passiert ist.
Am Fuße des Bergs stiegen alle aus und machten sich auf dem Weg nach oben. Ron fing langsam an, zu murren. Woher wollte dieser Gras-Kerl, Karl oder wie auch immer wissen, das es dieses geheimnisvolle Kraut hier oben geben soll. Was, wenn der sich schon wieder irrt und alle diesen unbequemen Weg ganz umsonst auf sich nehmen.
Russell hingegen war so fröhlich wie lange nicht mehr. Mary lief, Gras-Karl auf dem Arm tragend, neben ihm her und lächelte ihn an, sobald sie in seine Richtung sah. Natürlich merkte sie, das Russell dann jedesmal leicht rot anlief, aber das fand sie richtig süß. Am liebsten hätte sie ihn auf der Stelle fest an sich gedrückt, aber sie wußte, das sie Schuld an der ganzen Miesere war und wollte ihn erstmal erlösen. Russell hingegen freute sich, das sein Bruder ihm zur Abwechslung mal einen netten Gefallen getan hatte und behauptete, das er nun mit Mary verlobt war. Zuerst war er ja darüber etwas geschockt, aber der Gedanke gefiel ihm, auch wenn er wußte, das es leider eine Lüge war.
„Puhh, sag mal, du Gras-Heinie, wie weit müssen wir denn noch hier rum kraxeln? Ich bin doch keine Bergziege oder Almöhie. Bist du dir sicher, das wir hier richtig sind? Immerhin meintest du ja auch, wir müßten Russells gesamten Garten umgraben, um dieses Kraut zu finden. Wie das Zeugs aussieht würden wir übrigens auch endlich gerne wissen!“. Ron war mehr als genervt. Nur weil Russells Trieb ihn mal wieder in Schwierigkeiten gebracht hatte, mußte er auf sein Essen verzichten. Alles, was er heute zu sich genommen hatte war: Kaffee.
„Nur Geduld, Ungläubiger. Wenn wir es sehen, werden wir wissen, das wir es gefunden haben. Ich weiß leider selber nicht genau, wie es aussieht und den Namen kenne ich auch nicht. Aber bisher hatte ich immer Glück und habe es gefunden.“
Ron stapfte wütend mit dem Fuß auf. „Verflucht noch mal. Mir wird das alles zu blöde. Ich geh zurück zum Auto und warte auf euch. Ich habe keine Lust mehr, mich von so einem Gartengnom durch die Gegend jagen zu lassen. Russell, wenn du mal wieder ne Frau abschleppen willst, bitte: frag sie vorher, ob ihre Mutter ne Hexe ist. Denn noch mal mach ich sowas nicht mit. Tschüss.“
Weg war er. Mary und Russ konnten gut verstehen, das Ron genervt war, aber es nutze nichts. Sie mußten das Zeug finden, damit Russell seine Stimme wieder bekommt, das neue Album aufgenommen werden kann und alle zurück zum normalen Leben können.
Die Hitze machte allen zu schaffen, auf dem Berg wurde die Luft immer dünner. Nur der Zwerg war putzmunter. Mary ließ ihn runter und Gras-Karl lief voraus. Russ und Mary blieben hinter ihm und suchten eifrig nach einem Kraut, was Russells Leiden lindern konnte. Ab und zu schauten sich die zwei verschüchtert an, wie kleine Schulkinder.
Doch alles suchen brachte nichts und dadurch, das es immer dunkler wurde, gaben die drei bald auf. Russ und Mary fanden einen alten umgekippten Baumstamm und setzten sich darauf. Die junge Frau ließ langsam ihren Kopf auf Russells Schulter sinken und schlief ein. Auch Russells Augen schlossen sich bald und er schlummerte Kopf an Kopf mit der Frau, wegen der er das alles auf sich nehmen mußte, aber er genoß diesen Moment.
Nur Gras-Karl war noch immer nicht müde und versuchte noch, das Kraut zu finden. Bis auf einmal alle drei von einem lauten Schrei aufgeschreckt wurden. Ron stürmte eine Böschung hoch und rannte auf seinen Bruder zu.
„Ich, puh, ich glaub, ich hab’s gefunden. Hier du Gras-Typ, schau mal.“
Ron übergab dem Gartenzwerg das struppige grüne Kraut und Gras-Karl lachte zufrieden. „Ja, er hat Recht. Das ist es tatsächlich!“
Zu Haus bei Russell angekommen, legte sich Mary auf das weiße Sofa, Ron maschierte in Russells Schlafzimmer, wo noch ein Sofa stand und machte es sich dort gemütlich. Nur Russ und der Gartenzwerg blieben auf und der Sänger ließ sich vom Zwerg erklären, was nun zu tun war.
„Ich glaub, das schaffe ich nicht. Das Zeug sieht ja bei Licht richtig eklig aus.“
„Ach was, Russell, das ist so einfach, wie Kaffee kochen und wie ich mittlerweile weiß, bist du darin ja Experte. Also los. Das schaffst du schon. Du zerhackst das Zeug, packst es in den Kaffeefilter, setzt Wasser auf und dann warten, bis er durchgelaufen ist. Danach nimmst du die Brühe und trinkst sie. Wenn dir der Geschmack zuwider ist, tunke einfach einen Keks oder Zwieback da rein und ißt es. Den Rest der Brühe stellst du in den Kühlschrank und morgen früh wärmst du es wieder auf und nimmst es zum Frühstück ein. Ganz einfach, nicht?“
Russ hob eine Augenbraue. „Ja, klar. Hört sich ja super einfach und vorallem super lecker an. Und du bist dir sicher, das das wirklich wirkt?“
Der Zwerg nickte. Russ stellte den Zwerg auf den Tresen und tat das, was Gras-Karl ihm sagte.
Russ trug seine frisch gebraute Brühe in einer Tasse ,mit einem Bart Simpson Motiv drauf, in Richtung Wohnzimmer. Dort sah er wie Mary schlummernd auf seinem Sofa lag. Verliebt streichelte er ihr durch das gelockte Haar. Fest entschlossen endlich seine richtige Stimme wieder zu bekommen, trank er die Brühe mit einem Zug aus. Er schüttelte sich, denn es schmeckte genauso ekelig wie es aussah. Sein Hals wurde auf einmal warm. Er setzte sich auf den Teppichboden neben dem Sofa auf dem Mary schlief und nickte ebenfalls ein.
Am nächsten morgen klingelte es auf einmal Sturm ,so das alle erschrocken aufwachten.
Ron wankte immer noch in seinem schmutzigem Anzug zur Tür.
Draußen stand der Chauffeur von Jackson. Es war ein kleiner ,dünner Mann der keine eigene Familie hatte, denn er lebte nur für seinen Beruf. Er arbeitete bei Jackson schon seit 20 Jahren, weil dieser an ihm schätzte, das er ruhig und diskret war und ohne murren und fragen seinen Job machte. Jetzt stand er da vor der Tür, seine Dienstmütze hielt er in der Hand:
"Äääähh, Entschuldigung aber ist Mr. Jackson immer noch hier?"
Ron traute seinen Augen nicht. Da hat der Typ doch die ganze Nacht auf seinen Chef gewartet. Er schaute heraus und sah das auch Noels Wagen noch auf dem Hof stand. Er rieb sich seine Nase und ihm viel wieder ein, das die beiden sich zu Spinnen verwandelt haben. Das kann er dem Chauffeur wohl kaum sagen.
"Achso, ähm. Mr. Jackson ist zu Fuß nach Hause gegangen..."
Der Chauffeur verzog sein Gesicht. Er konnte sich nicht daran erinnern ,das sein Boss jemals mehr als 10 Meter zu Fuß zurück gelegt hat und jetzt soll er plötzlich 15 km bis nach hause gegangen sein? Doch eh er was sagen konnte, knallte Ron ihm die Nase vor der Tür zu.
Mary ist in der Zeit ins Bad gegangen und kam erfrischt wieder heraus.
Russell fuhr sich gähnend durch seine zerzausten Locken und mußte erschrocken feststellen, das sein Bruder , Mary und Gras-Karl mit neugierigen Blicken vor ihm standen.
"Sag doch endlich mal was!" raunzte Ron zu seinem kleinem Bruder.
"Wirkt der Trunk?"
Russell fühlte sich unwohl von allen angestarrt zu werden, wie ein kleines Kind ,das aufgefordert wurde Mama oder Papa zusagen.
Dann schaute er zum Wohnzimmertisch und fing an zu schreien:
"Wo sind die Spinnen hin, ich meine Jackson und Noel?"
Alle schauten auf das umgekippte Glas ,unter dem die beiden eigentlich sein sollten. Nur Mary sagte:
"Russell ,du hast deine Stimme wieder zurück!!!" Russell strahlte über sein ganzes Gesicht.
Ron stampfte mit seinem Fuß auf den Boden:
"So ein Mist, jetzt sind wir die eine Sorge los und haben jetzt die Nächste!"
Gras -Karl meinte jedoch gelassen:
"Ach, die beiden werden sich frühestens in vier Tagen wieder zurück verwandeln." dann stockte er und überlegte :
"...sie können in der Zeit höchstens ,von Vögeln gefressen, vom Auto überfahren ,....." -
"...oder vom Staubsauger eingesaugt werden..!" unterbrach Ron den Zwerg.
Russell schaute sich in seinem Wohnzimmer um. „Also ich suche nicht mit, ich hasse Spinnen.“
Ron verdrehte seine Augen und begann hinter jedem Schrank und hinter jedem Bild zugucken. Mary und Gras -Karl suchten mit.
Nur Russell verschwand in der Küche und nach nur wenigen Minuten zog ein duftender Kaffee Geruch durch die gesamte Wohnung.
Aber Russell vergaß nicht, das er am Morgen noch eine Tasse dieser ekligen Brühe trinken mußte, damit seine Stimme vollkommen zurück kehrte. Also brühte er sie sich neben dem Kaffee noch einmal auf und goß sie dann in seinen Kaffee- er hoffte, das der Kaffee den widerlichen Geschmack übertünchen würde.
Mary wunderte sich, wie Russell überhaupt hatte schlafen konnte, bei dem Kaffeekonsum. Aber sie freute sich, das das Rezept ihres alten Freundes Gras-Karl wirkte und Russell seine Stimme zurück bekam. Doch auch jetzt war noch kein richtiges Gespräch mit ihm zu führen, da Russ sich immer wieder wie ein kleiner Schuljunge benahm, von einem Fuß auf den anderen stapfte, seine Wangen rot anliefen und er leicht ins stottern kam. Aber Mary hoffte, das dieses Verhalten bald verschwinden würde, sobald der Trunk vollkommen wirkt.
Ron und Gras-Karl suchten im und um das Haus alles ab um die Spinnen wieder zu finden, doch sie schienen kein Glück zu haben. Erst als sie aus dem Haus ein erschrockenes Kreischen hörten, glaubten sie Mary hätte die Spinnen gefunden. Also nichts wie rein ins Haus, aber was sie vorfanden, war Mary mit einem Sieb und auf dem Küchentresen hockte ein blasser Russell.
„So, ihr zwei. Euch werde ich helfen, einfach so abzuhauen. Das könnt ihr vergessen. Ron, gibt es hier sowas wie Einmachgläser mit Deckel? Da werde ich ein paar Löcher in den Deckel stechen und die Spinnen kommen da rein. So werden sie hoffentlich nicht wieder abhauen.“ Ron starrte immer noch auf seinen leichenblassen Bruder, der auf Mary mit den Spinnen blickte. „Ich bewege mich hier nicht mehr weg, solange diese Viecher hier immer noch in meinem Haus sind.“
„Jungs, muß ich hier eigentlich alles allein machen? Ich kenne mich hier doch gar nicht aus, also bitte. Gibt es hier ein Einmachglas, ja oder nein? Und wenn ja, wo?“ Mary wurde etwas wütend, weil Russ immer noch auf dem Schrank hockte und Ron sich ebenfalls nicht bewegte, weil er jetzt damit beschäftigt war, seinen Bruder vom Schrank zu ziehen. Doch sein kleiner Bruder blieb stur hocken.
„Ähm, im Schrank unter der Spüle, da müßten solche Gläser stehen.- Russell, nun komm da endlich runter. Weißt du eigentlich, wie lächerlich das ist? Ein erwachsener Mann sitzt zitternd auf einem Schrank, wegen zwei Spinnen, die eigentlich zwei Menschen sind. Runter jetzt.“
Mary bat Gras-Karl, im Schrank nach zu sehen, da sie fürchtete, das die Spinnen flüchten würden, sobald sie sie einen Moment aus den Augen ließ. Sie beobachtete mit einem Lächeln, wie Ron seinen kleinen Bruder vom Schrank runter zerrte und ihn dann zum Sofa brachte, wo Russell sich dann erst einmal ausruhte.
„Ich hasse Spinnen, ich hasse Spinnen, ich hasse Spinnen....“ murmelte er vor sich hin. Ron schüttelte nur den Kopf über seinen kleinen Bruder. Danach half er Mary, Löcher in den Deckel zu stechen und die Spinnen, die eigentlich Jackson und Noel waren, in das Glas zu stecken. „Und wenn die zwei sich wieder zurück verwandeln? Werden sie dann das Glas nicht sprengen?“ fragte Ron.
Gras-Karl grinste. „Sicher, aber besser, als wenn sie im Magen eines Vogels aufwachen, oder? So, ich denke, meine Arbeit ist hier erstmal getan. Ihr wisst ja, wie und wo ihr mich finden könnt. Ich werde mich erstmal auf die Suche nach deiner Mutter machen, Mary. Der werde ich etwas Feuer unter dem Hintern machen und wenn nötig, versuchen, ihre Zauberkräfte zu stehlen- zumindest die, mit denen sie Schaden anrichten kann, wie bei Russell. Bis bald.“ Damit flitzte der kleine Kerl zur Tür raus.
Ron rieb sich die Hände:
"So, jetzt haben wir endlich wieder Zeit an unserem Album weiter zu arbeiten!"
Doch kaum hatte er das ausgesprochen, sah er nur noch wie Russell und Mary, händchenhaltend aus der Tür raus gingen.
"Ich schmeiß ihn aus der Band raus." grummelte er vor sich hin, "ich mache alleine weiter...!"
Russell und Mary gingen in den Park und setzen sich auf eine Bank. Sie schauten sich verliebt an und gerade als Russell seine Lippen spitzte um Mary zu küssen, schlug auf einmal ein Blitz vor ihren Füßen ein.
"Wage es ja nicht diesen Typen zu küssen!" schrie Marys Mutter ,die aus den Blitz gesprungen kam.
Russell sprang vor schreck über die Bank und duckte sich.
"Aber Mutter! Wir lieben uns !" schrie Mary zurück.
"Du weißt genau , das du schon Kenuan dem Waldgeistkönig von Coldwater Canyon versprochen bist!" zischte die Hexe und griff Marys Arm.
"Aber ich will ihn nicht heiraten..!"
"Glaube ja nicht ich billige es, das du mit so einer dahergelaufenen Sangesschwuchtel zusammen bist!"
Russell fühlte sich beleidigt: "Na, hören sie mal...!" er griff Marys anderen Arm und so zerrten sie Mary hin und her, als würden sie Tau ziehen. Doch die Hexe warf ein paar schmerzende Funken zu Russell rüber, so das er loslassen mußte.
Mit einer gemein lachenden Hexe und einer verzweifelt schreienden Mary mußte Russell mit ansehen wie sie verschwanden. Er vernahm nur noch den Ruf" Russell rette mich!"
Wie von der Tarantel gestochen rief Russell nach Hause zu Ron. Er erzählte ihm alles was geschehen ist und dieser sackte in sich zusammen:
"Oh, nein, hört das denn nie auf. Andauernd muß ich dir aus der Patsche helfen.!"
Russell und Ron gingen als erstes in den Garten um Gras-Karl zu suchen. Dieser hatte sich zu einem Schlümmerchen unter dem vertrockneten Efeu gelegt.
Russell rüttelte und schüttelte ihn: "He, nicht schlafen, wir brauchen deine Hilfe!"
Ron stand mit verschränkten Armen daneben und verdrehte die Augen: "Russells Flamme ist mit seiner Schwiegermutter in spe auf und davon...."
Gras-Karl war sofort hellwach:
"Ohh, nein, sie ist bestimmt mit ihr zu Kenuan hin ,um sie mit ihm zu verheiraten! Los, wir müssen zum Canyon , bevor es zu spät ist!"
So machten sie sich auf den Weg. Aber vorher hielt Russell noch an einer Tankstelle an, um sich einen Kaffee to go zu besorgen.
Nach einer Weile kamen sie endlich am Canyon an. Von weitem konnten sie schon merkwürdige Lichter erkennen. Schriller Gesang war zu vernehmen.
„Horch mal, Russ. Klingt fast nach dir. Hihi.“ Scherzte Ron. Sein jüngerer Bruder fand das aber gar nicht witzig und stapfte beleidigt voran.
Bald zischte Russ seinem Bruder zu: „Leise. Da drüben. Ich kann Mary und ihre Mutter sehen.“
„Wo denn? Ich seh nix. Für mich sehen die Gestalten da alle gleich aus.“
„Die mit dem weißen Kleid und den Blumen auf dem Kopf. Das ist Mary. Meine Mary. Oje, ist dieser eklige fette Kerl etwa der, den sie heiraten soll?“ Russ blickte zu Gras-Karl - nickte nur und senkte den Kopf.
„Ja, leider. Das ist Kenuan, der Waldgeistkönig von Coldwater Canyon.“
„Na großartig. Russ, du hast aber auch wieder mal ein glückliches Händchen, was Frauen angeht. Meine Güte. Jetzt wird deine Angebete noch die Frau vom Waldschratkönig.“
„Ähäm, WaldGEISTkönig, nicht SCHRAT! Also wirklich! Wir sollten uns schnell was einfallen lassen, wie wir Mary retten können. Denn die Waldgeister sind ziemlich fix mit ihrer Hochzeitszeremonie.“
„So? Wie schnell genau?“ wollte Russ wissen.
„Hm, sagen wir mal, das bekommt ihr Menschen gar nicht so schnell mit. Ich hoffe nur, wir kommen nicht zu spät.“
„Ohman. Ich fasse das alles nicht. Jahrelang ging alles gut, wenn mein Bruder auf Brautschau war und nun sowas. Das wird echt immer alberner, meint ihr nicht?“
„Pssst, da kommt jemand. Versteckt euch! Ich lenke ihn ab.“
Zwei weiße Gestalten bogen um die Ecke, nahe des Verstecks. Grad-Karl lief auf sie zu und begrüßte sie freundlich.
„Ach, ist das nicht ein schöner Tag zum heiraten? Eurer König hat wirklich Glück, so eine hübsche junge Frau zur Frau zu bekommen, nicht wahr?“ Die Gestalten nickten nur. Gras-Karl machte hinter seinem Rücken Zeichen, die Ron und Russell deuteten, sie sollen jetzt die Wesen angreifen. Also taten sie das auch.
Russ erledigte den kleineren der beiden, Ron den anderen. Sie waren nur bewußtlos, also mußte alles schnell gehen. Jeder zog einen der Gestalten aus und zog sich die weißen Gewänder über. Die Kapuzen zogen sie sich tief ins Gesicht, damit niemand der Waldgeister merken konnte, das es keine Gleichgesinnten waren. Gras-Karl hatte jedoch nichts zu befürchten, kannte er doch den Waldgeistkönig seit dessen Geburt vor 200 Jahren. Freund waren sie zwar keine, aber man kannte sich gut genug um sich aus dem Weg zu gehen. Also fiel es auch keinem groß auf, das sich ein kleiner Zwerg unter das Waldgeistervolk mischte.
Ron und Russell schlichen den Weg, den die Gestalten gekommen waren, zurück und fanden sich bald mitten in der Zeremonie wieder. Neben ihnen standen noch andere in weiß verhüllte Personen, niemand konnte die Gesichter sehen. Russell blickte um sich und sah bald, wie Mary von ihrer Mutter zu einem Altar geführt wurde. Mary wehrte sich heftig dagegen, doch es nutzte alles nichts. Mary hatte bereits mit ihrem Leben und ihrem Glück abgeschlossen, als sie in der Menge Russell und Ron erblickte. Am liebsten hätte sie nach ihnen gerufen, doch dann wäre die Tarnung der zwei aufgeflogen. Also verhielt sie sich still und wartete ab.
Russell wäre am liebsten sofort zu Mary gerannt, doch sein Bruder hielt ihn zurück. „Wir müssen einen guten Moment abwarten, Russ. Nur Geduld.“
„Und was ist, wenn dann schon alles zu spät ist? Ich kann nicht länger warten.“
„Man, du bringst Mary noch in Gefahr. Schau mal, dort ist der Gras-Kerl. Der wird uns sicher mitteilen, wenn es soweit ist. Warte.“
Gras-Karl hüpfte nun vor dem Waldgeistkönig auf und ab.
Kenuan bemerkte Gras-Karl ,der sich wunderte das er so emsig rum sprang:
"Gras-Karl , es freut mich ,das du vor Freude so hüpfst!!" sprach er ihn an. Sein dicker Bauch wackelte beim sprechen ,wie ein prall gefüllter Wassersack hin und her. Seine Grünen Augen saßen tief in seinem hellblauen Gesicht und seine Nase war so platt, als wäre er irgendwo vor gelaufen.
Gras-Karl , war froh ,das er endlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte ,um die Heiratszeremonie hinauszuzögern:
"Ja, ich freue mich. Aber da gibt es eine Sache , die sollten sie bedenken..!"
Kenuan wurde neugierig: "Was denn..?"
"Mary liebt euch nicht..!"
Der König fing an zu lachen:
"Na, und ,das hindert mich nicht daran, sie zu heiraten..!“
Er drehte sich um und ließ Gras-Karl links liegen.
"Aber es gibt einen Fluch, wußtet ihr das noch nicht?"
Kenuan drehte sich überrascht um: "Was denn für einen Fluch..?"
"Sollte der Waldkönig jemals eine Frau heiraten, die ihn nicht liebt, wird er all seine Macht verlieren ."
Russell flüsterte zu Ron: "Na also, dann läßt er Mary jetzt bestimmt gehen!"
Doch Marys Mutter durchschaute den Plan von Gras-Karl und schrie:
"Er lügt! So ein Fluch existiert nicht!"
Kenuan wußte nicht mehr ,wem er glauben sollte. Der Hexe ,dessen Tochter Mary ihm seit Jahren versprochen wurde oder dem Zwerg ,den er schon auf ewig kannte.
Russell und Ron nutzten die Gelegenheit und arbeiteten sich durch die Menge nach vorne. Nun standen sie Mary nur noch einem Schritt gegenüber.
"Der Zwerg sagt das nur, weil er der Freund von einem Mann ist, den meine Tochter liebt! Vielleicht ist dieser Mensch mit seinem Bruder sogar hier..!"
"Menschen?" raunte es durch die Menge und alle schauten sich um. Russell und Ron taten so, als würden sie sich auch entsetzt umschauen.
Gras-Karl wurde energischer:
Die Hexe sagt das nur , weil sie eigentlich die Macht will! Wenn ihr Mary heiratet ,wirkt der Fluch und die Hexe hat erreicht was sie wollte!"
Kenuan ließ Mary los und sie nahm Gras-Karl auf den Arm. Die Hexe wurde wütend und ließ Feuerblitze regnen. Kenuan war jedoch viel mächtiger und ließ die Hexe gefangennehmen.
Russell griff Marys Hand und alle vier konnten unter der tobenden Menge , unauffällig verschwinden. Erst gingen sie ganz langsam und wurden dann immer schneller . Sie liefen und liefen und drehten sich dabei immer wieder um .Doch niemand schien ihre Flucht bemerkt zuhaben.
Als sie eine Raststätte erreichten ,kehrten sie dort ein.
Die Gäste schauten Ron und Russell komisch an, weil die beiden ja noch ihre weißen Gewänder anhatten. Russell bestellte erstmal Kaffee und Ron setzte seine Brille ab und rieb sich die Augen: "So, jetzt habe ich keine Lust mehr auf Abenteuer," er schaute dabei böse auf Russell und Mary ,die sich in den Armen lagen.
Zu Hause...
„Ich denke, das wir jetzt erstmal eine ganze Weile Ruhe vor der Hexe haben werden. So etwa 150 Jahre, mindestens. Dann werde ich mich mal wieder in den Garten setzen und das Glück von Russell und Mary bewachen. Wenn was sein sollte- was ich nicht hoffe- wisst ihr ja, wo ihr mich findet. Bis dann.“ Gras-Karl winkte allen zu und verschwand in Russells Garten.
Ron brauchte erstmal Schlaf und legte sich im Wohnzimmer aufs Sofa. Mary und Russell blieben aber noch eine ganze Weile draußen im Garten auf einer Bank und kuschelten sich zusammen unter eine Decke. Verliebt schauten sie zum Himmel und beobachteten ein paar Sternschnuppen, bei der sie sich etwas wünschten. Sie wußten, das sie sich das selbe wünschten: ein langes Leben zu zweit.
Ende....
1 Kommentar:
Hihi, Gras-Karl...! und in dieser Geschichte gab es für Russell andauernd Kaffee..^^
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