Samstag, 24. Juli 2010

It's Halloween

von Meike und Melanie...
November 2007 beendet...


It´s Halloween...

Die Nacht legte sich langsam über das schicke Viertel Coldwater Canyon in Los Angeles. Der Mond schien heute besonders hämisch auf die Welt herunter zublicken, doch kaum jemand merkte etwas davon. In der ganzen Stadt, nein, im ganzen Land, zogen seltsame Gestalten von Tür zu Tür, mit Tüten in den Händen und murmelten einen merkwürdigen Spruch, sobald ihnen geöffnet wurde. In die Tüten wurden lauter leckere Nachereien eingefüllt und die Gestalten zogen weiter, laut kichernd und singend.
In einem kleinen Häuschen, inmitten dieses noblen Stadtteils, war nur ein wenig Licht zu sehen, der Hof war kaum beleuchtet und so hatten es Besucher schwer, den Weg zur Haustür zu finden. Innen war laute Musik zu vernehmen, und Gelächter drang an die Ohren der Besucher auf der Straße.
In diesem Haus lebt der Sänger Russell Mael von Sparks und gab eine seiner beliebten Parties. Es gab die leckere Creme Caramell, selbst gemacht vom Hausherren. Alle Gäste waren ausgelassen, tanzten, aßen, sangen und hatten Spaß.
Niemand wußte, das an diesem Halloween noch etwas geschehen sollte, womit niemand im Haus rechnen würde.
Die Gäste verließen noch weit vor Mitternacht das Haus und ließen die Mael Brüder allein mit den ganzen Aufräumarbeiten zurück.
Ron murrte zwar, warum er nun mithelfen sollte, Russells Haus wieder in Ordnung zu bringen, tat es aber. Überall im Haus hingen Skelette, Kürbisse, Geister und sonstiger Halloween-Kram herum. Manche Gäste hatten ihr Essen auf den weißen Teppich gekleckert, worüber Russell sich wahnsinnig aufregte.
Russell ging zu seinem Besenschrank und holte jede Menge Putzzeug heraus und begann den Teppich zu schrubben.
Ron ging in die Küche um sich seine Hände zu waschen. Sie klebten noch von der Caramel-Creme, von der er noch die letzten Reste aus der Schüssel genascht hatte.
Als er seine Hände abtrocknete und dabei aus dem Küchenfenster schaute, bemerkte er einen merkwürdigen Blitz am Himmel. Just in diesem Moment kam Russell in die Küche:
"Den Teppich habe ich so einigermaßen wieder hin gekriegt, aber das weiße Sofa ist vollkommen ruiniert. Möchte wissen wer das so verdreckt hat." Sauer schmiß er sein Putzzeug auf den Küchentisch. Dabei schaute er Ron mit bösem Blick an:
"Wieso müssen wir die Partys eigentlich immer bei mir machen?"
Ron grinste: "Weil ich keine Wohnung habe."
"Jetzt weiß ich auch warum." zischte Russell zurück. Als er dann noch die vollkommen leere Schüssel von der Caramel Creme sah, flippte er vollkommen aus:
"Ey, wieso ist die leer? Ich habe den ganzen Nachmittag in der Küche gestanden, um diese Creme zu kochen und ich kriege nicht mal einen Löffel davon ab."
Ron wurde das zu blöd. "Ich gehe jetzt."
"Nein, wir sind noch nicht fertig mit dem aufräumen, das Badezimmer hast du vergessen!"
"Glaubst du, ich mache dein Badezimmer sauber?"
Russell lief schnellstens zur Wohnungstür und schloß sie ab, den Schlüssel steckte er sich tief in die Hosentasche. Ron lief schäumend vor Wut zu Russell und nahm ihn in den Schwitzkasten, sie rauften sich als wären sie noch Kinder.
Plötzlich wurde es in der gesamten Wohnung duster.
"Mach das Licht sofort wieder an!" raunzte Ron seinen kleinen Bruder an.
"Ich habe das gar nicht ausgemacht, die Sicherung muß raus gesprungen sein."
Russell tapste nun im dunkeln in Richtung Sicherungskasten. Vorbei an all dem Helloween-Zeugs. Ihm war schon ziemlich unheimlich dabei, denn er hatte das Gefühl, das Skelett würde hinter ihm her gucken. Dann hörte er ein leises unheimliches Gekicher.
"Ron, hör auf so doof zu lachen!
"Was ist los?" rief Ron von weitem.
" Ich sagte, hör... " Russell rief wieder was zurück, gleichzeitig vernahm er wieder das schaurige Gekichere. Entsetzt mußte er feststellen, das Ron das gar nicht war. Endlich fand er eine Kerze und zündete sie an.
Er ging zurück in Richtung Flur.
"Ron, wo bist du?" Er konnte seinen Bruder nicht mehr finden und seine Wohnung war sehr klein. Er ging in jedes Zimmer und die Eingangstür war immer noch verschlossen, dort konnte er also nicht heraus sein.
"Ron, hör auf mit dem Versteckspiel. Du brauchst auch nicht mehr aufzuräumen!"
Doch Ron antwortete nicht, er war wie vom Erdboden verschluckt. Nur dieses schauderhafte Gekicher hallte durch seine Wohnung. Russell hatte ziemliche Angst und wollte die Tür wieder aufschließen. Er kramte in seiner Hosentasche herum, alles mögliche, wie ein Taschentuch, Taschenmesser, Kamm, Zahnseide und so weiter kam zum Vorschein, aber er fand seinen Haustürschlüssel nicht mehr.
Langsam bekam Russell es wirklich mit der Angst zu tun. Hatte Ron sich heimlich an ihn heran geschlichen, den Schlüssel geklaut und sich aus dem Haus verzogen? Er hätte wenigstens was sagen können.
Plötzlich ging die Kerze aus und Russell hatte das Gefühl, als wäre sie von jemandem ausgepustet wurde. Im Badezimmer polterte es.
„Ron? Bist du das? Komm raus! Ich finde das nicht witzig!“- keine Antwort. Im dunkeln stolperte Russell durchs Haus und versuchte sein Telefon oder Handy zu finden. Langsam tastete er sich an den Wänden entlang, wobei das eine oder andere Bild von der Wand fiel. Eines landete direkt auf Russells Fuß, weswegen er dann laut aufschrie.
„Ron! Wo zum Teufel steckst du denn bloß! Mir wird das langsam echt zu blöde!“
Da hörte er das merkwürdige Kichern und ein kratzendes Geräusch.
„Oh, man. Wo ist nur der Schlüssel? Vor allem: wo steckt dieser blöde Idiot! Man, ich will hier raus.“ dachte er bei sich.
Ein lautes Poltern war hinter ihm zu hören und ein lautes Stöhnen.
„Boah, was war das denn? Man, ist mir schlecht!“
„Ron? Bist du das?“
„Ja, wer soll’s denn sonst sein? Man, was ist hier bloß los? Haste die Rolling Stones eingeladen oder Ozzy Osborne? Das riecht hier nämlich irgendwie muffig. Oder hast du vergessen, den Mülleimer zu leeren? Ist ja eklig!“
Die Brüder versuchten sich im Dunkeln wieder zu finden. Erst als sie mit dem Köpfen zusammen knallten, fanden sie sich endlich.
„Wo warst du denn? Ich hab dich überall gesucht!“
„Du, keine Ahnung. Laß uns aber jetzt erst mal den Sicherungskasten ausfindig machen, man findet sich hier ja nicht mehr zurecht. Hinterher landen wir noch in deinem Kleiderschrank und das wär echt gruselig, wenn ich da an deine alten 80er Jahre Bühnenoutfits denke. Brrr.“
„Haha. Ich lach morgen.“ Russell griff nach dem Arm seines Bruders.
„Wow, hast du schon wieder abgenommen? Dein Arm ist ja noch dünner als sonst.“
„Was willst du eigentlich von mir? Ich bin doch längst in deiner Küchenzeile!“ rief Ron seinem Bruder zu.
„Ohoh. Wessen Arm hab ich denn dann hier?“
In diesem Augenblick hatte Ron endlich den Sicherungskasten gefunden und fummelte im Dustern an den Sicherungen rum, bis es wieder hell im Haus war. Da hörte er auch schon, wie sein kleiner Bruder aufschrie.
„Ach du Schande. Ich hab hier nen Arm in der Hand!!!!“
„Ach ne. Soweit waren wir schon, Russ.“ brummte Ron und drehte sich zu seinem Bruder um. Er sah, wie dieser durch das Wohnzimmer sprang, mit einem Knochenarm in der Hand.
„Ich hab doch gesagt, du solltest um Mike Jagger nen großen Bogen machen. Ich glaub, der würde das nicht so super finden, wenn du ihm seinen Arm klaust.“ Ron mußte kichern.
„Ahhh, hör auf, da so blöd rum zulabern und hilf mir lieber. Der Arm läßt meine Hand nicht mehr los!“
„Oh, man. Warum mußte ich so einen Bruder bekommen? Ich wäre sooooo glücklich gewesen, wenn ich ein Einzelkind geblieben wäre oder ne kleine Schwester bekommen hätte. Und was ist? Ich bekomme nen Bruder, der einen Sprung in der Schüssel hat und mit einem Skelettarm durchs Wohnzimmer tanzt. Warum ich???“ grummelte Ron vor sich hin, trotzdem ging er zu seinem Bruder und zog am Skelettarm.
„Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, einfach mal loszulassen, Russ?“ sagte Ron, nachdem er es nicht schaffte, den Arm von Russell wegzubekommen.
Russell sah seinen Bruder mit großen Augen an, öffnete seine Hand und der Arm fiel auf den Boden.
„Ups.“ meinte Russell und grinste verlegen.
Ron gab seinem Bruder einen Fausthieb auf den rechten Oberarm, wodurch Russ laut aufschrie und vor sich hin schimpfte.
Die beiden stritten noch eine Weile darüber, warum Russell den Arm nicht eher losgelassen hatte. So merkte keiner der beiden, das sich der Knochenarm langsam von ihnen weg bewegte.
Russell war erschöpft und ging zum Sofa, er wollte sich darauf plumpsen lassen, doch dann bemerkte er, das es sich Ron dort schon gemütlich gemacht hatte.
"Man, was machst du auf meinem Sofa?" raunzte Russ seinen Bruder an. Ron machte es sich gemütlich und meinte:
"Wenn du schlafen willst, dann geh´ doch ins Bett!"
"Ich will ja gar nicht schlafen, ich will mich nur ausruhen."
"Pahh ausruhen. Das ich nicht lache."
Russell hatte keinen Bock mehr und setzte sich auf sein Sofa.
Plötzlich erklang wieder das schaurige Gekicher. Es wurde immer lauter. Ron und Russell hielten sich die Ohren zu. Auf einmal setze sich das Skelett in Bewegung. Es sprang auf den Tisch und schnappte sich das Mikrophon. Der fehlende Arm schlich immer noch auf dem Boden herum. Das Skelett fing an zu singen, es hatte eine furchtbar tiefe Stimme und sang:
"When do I get to sing my way.....in heaven or hell....."
Russell und Ron waren so verängstigt, das sie sich kaum trauten, sich zu bewegen.
Als das Skelett mit der Vorstellung zu Ende war, sprang es vom Tisch herunter und verschwand durch die Wand.
Es war wieder mucksmäuschen still in der Wohnung , man konnte nur hören wie Russell schluckte.
 "Was um Gottes Willen war denn das?" fragte er Ron.
"Ich weiß es nicht, aber er hat besser gesungen als du!" meinte Ron
Russ wollte mit irgend etwas nach Ron werfen, für diesen Kommentar. So griff er etwas was, das auf dem Boden lag und warf es Ron direkt vors Gesicht. Es war wieder der Arm vom Skelett und es hielt Rons Nase fest. Ron tanzte auf und ab, als es ihn endlich los ließ, wuschelte die Skeletthand durch seine Haare, bis sie so richtig zerzaust waren. Dann ließ sie von ihm ab und blieb auf dem Boden liegen.
Ron setzte seine Brille wieder gerade auf und schaute sich um zu seinen Bruder, doch er war nicht mehr zusehen.
"Russ, wo bist du?"
"Hier bin ich Ron. Im Flur."
Ron nahm die Kerze in die Hand und stolperte zum Flur. Aber er konnte ihn nicht sehen.
"Verdammt wo bist du denn?"
"Na, hier genau hinter dir."
Ron schaute sich um und traute seinen Augen nicht.
Russell war im Spiegel.
"Komm da wieder raus!" meinte Ron
"Würde ich ja gerne, geht aber nicht!"
"Aber du bist doch da auch rein gekommen." Ron überlegte, "Wie hast du das eigentlich geschafft?"
"Hol mich hier raus, ich sehe hier ganz viele Monster, ich glaube die kommen genau auf mich zu. Hilfeeeee!" schrie Russell voller Panik.
Ron wollte seinem kleinen Bruder helfen. Aber wie sollte er das tun?
Erst überlegte er, den Spiegel zu zerstören, doch damit wäre auch sein Bruder zerstört. Einen winzigen Augenblick dachte Ron, das es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, wenn Russ nicht mehr da wäre. Aber den Gedanken wischte er schnell wieder weg. Immerhin hatten die zwei schon ne Menge zusammen erlebt, auch wenn ihm sein kleiner Bruder manchmal etwas auf den Nerv ging, besonders wenn Russ von seiner neusten Flamme zu schwärmen anfing- so etwa einmal die Woche.
Also mußte Ron einen Weg finden, seinen Bruder aus dem Spiegel zu befreien. Nur wie?
Da fiel ihm ein alter Film ein, den die zwei mal zusammen gesehen hatten. Ron zögerte eine Weile und berührte dann den Spiegel mit der Hand.
„Hey, laß das! Ich war doch nicht stundenlang beim Frisör, meine Haare glätten lassen, nur damit du sie mir zerwuschelst!“ rief Russell aus dem Spiegel.
Okay, dachte Ron, also rein käme ich, nur nicht wieder raus. Also muß ich mir was anderes einfallen lassen.
„Russ, leg doch mal deine Hand auf meine.“
Russell versuchte es, doch es klappte nicht, er spürte nur die Kälte von Glas.
„Geht nicht. Ohman, da kommt was echt widerliches auf mich zu! Ne riesengroße, fette Spinne! Ron, beeile dich!“
Ron wußte, wenn er jetzt in den Spiegel steigen würde, zu seinem Bruder, würde er vielleicht nie mehr daraus kommen. Aber er wollte es riskieren, schließlich schien sein kleiner Bruder in Gefahr zu sein.
Also steckte Ron erst den einen, dann den anderen Arm in den Spiegel und bald auch den Rest seines Körpers und wurde auf der anderen Seite von seinem Bruder empfangen. Russ sprang ihm in die Arme.
 „Danke, das du da bist. Ich hatte echt Angst, wir würden uns nie wieder sehen. Aber wie kommen wir jetzt wieder hier weg? Hier ist es echt unheimlich, Ronnie.“
Ron sah sich um. Hinter dem Spiegel sah es aus, wie in einer Höhle. Es war nicht richtig dunkel, denn an verschiedenen Stellen hingen Fackelhalter, die den Weg ausleuchteten. Merkwürdige Geräusche waren zu hören. Aber Ron ließ das kalt. Er war so cool wie sonst auf der Bühne. Doch als er in einer dunklen Ecke der Höhle acht riesige Augen sah, die zu Russ und ihm schauten, wurde ihm doch etwas mulmig.
„Wawawawa-was ist dadadada-das da?“ stotterte Ron.
Russell schaute in die Richtung, die Ron ihm zeigte. „Ich hatte dir doch gesagt, das hier eine riesige Spinne herumläuft. Wir sollten hier lieber verschwinden, bevor wir noch ihr Mitternachtssnack werden.“
Ron hielt das für eine gute Idee und die zwei rannten los. Nebenbei schnappten sie sich noch jeder eine Fackel, so konnten sie sehen, wo sie lang liefen.
„Man, wo sind wir hier bloß? Sieht ja aus, wie in einem Horrorfilm!“schlotterte  Russ.
 „Ja, und wir sind die Hauptdarsteller. Ich würde mich mittlerweile nicht mehr wundern, wenn wir hier irgendwo noch Hannibal Lector, Frankensteins Monster, Dracula und Nosferatu über den Weg laufen würden.“ meinte Ron.
„Das du da noch Witze machen kannst! Wie sollen wir denn hier wieder weg kommen? Wenn wir hier keinen Ausweg finden, müssen wir uns wohl von der Risenspinne fressen lassen.“
„Reg dich ab, kleiner Bruder. Wir kommen hier schon irgendwie wieder raus.“ Nur wie, fragte sich Ron. Er hatte selbst eine wahnsinns Angst, das sie hier vielleicht nie wieder raus kämen, aber er wollte seinen Bruder nicht noch mehr in Angst und Panik versetzen. Irgendwer mußte ja einen klaren Kopf bewahren.
Ron schaute sich um und entdeckte das an der Höhlenwand ein Loch war.
"Schau mal dort oben, vielleicht ist das ein Ausgang!" er zeigte mit dem Finger nach oben und Russell schüttelte den Kopf:
"Das sind bestimmt 20 Meter die wir hoch klettern müßten. Oder siehst du irgendwo eine Treppe?"
Ron sah wie die Monsterspinne näher kam:
"Ich fürchte, wir haben keine andere Wahl!" Russell drehte sich um und als er die Monsterspinne näher kommen sah, sprang er blitzschnell und hangelte sich an der felsigen Wand hoch.
Ron staunte. Er wußte ja, das sein kleiner Bruder ziemlich sportlich ist, aber mit welchem Tempo er sich hier fortbewegte, war schon erstaunlich.
"Warte, ich bin nicht mehr der Jüngste und kann nicht so schnell!"
Ron hangelte sich mit einem Fuß nach dem anderen die Wand entlang. Russell war mittlerweile schon fast an diesem fragwürdigen Ausgang und spornte seinen Bruder an, ja nicht schlapp zu machen:
"Pass bloß auf , das du nicht daneben greifst oder daneben trittst! Ich brauche dich nämlich noch!"
"Ach,", rief Ron zurück "jetzt auf einmal brauchst du mich noch?!"
"Ja, du mußt schließlich noch viele Lieder schreiben, die ich singen kann!" kaum hatte er das ausgesprochen, hatte er den Ausgang erreicht.
Ron sah das und rief:
" Geh da jetzt bloß nicht alleine rein .Wer weiß, was du wieder anstellst! Warte auf mich!“
Russell schaute hinunter und ihm wurde schwindelig: "Oh man, ist das hoch."
Ron hat nun endlich auch den Ausgang erreicht und blieb erschöpft liegen.
"Das...ist...zuviel...für einen...alten Mann wie mich." japste er.
Nach einer kurzen Verschnaufpause gingen sie durch das Loch, welches sie als Ausgang erhofften.
Doch der erhoffte Ausgang entpuppte sich auf den zweiten Blick: Es war eher die Ruine eines alten Tempels. Überall standen seltsame Kerzenleuchter. Bei genauerer Betrachtung mußten Ron und Russell feststellen, das in diesen Leuchtern Totenschädel eingebaut waren. Russell hatte nun Mühe, sich auf den Beinen zu halten, Ron mußte ihn stützen. Diese Schädel waren einfach zu viel für ihn. Ron bat seinen Bruder, einmal tief durchzuatmen, damit sie endlich weiter gehen konnten.
Bald sahen sie, das inmitten des alten Tempels eine Art Thron aus Stein stand, der von Leuchtern umstellt war. Doch um sich alles genauer anzusehen blieb nicht genug Zeit, da die Mael Brüder plötzlich Schritte näher kommen hörten. Schnell versteckten sie sich hinter einer Mauer.
„Nein, auch das schüchtert mich nicht ein, mein Lieber. Was willst du schon ausrichten? Deine Knochenarmee wird dir nichts nützen. Meine Truppen sind stärker als deine. Also laß mich in Ruhe.“ sagte eine Frauenstimme, während sie sich dem Thron näherte.
„Dazu haben deine Leute diese beiden Männer entkommen lassen. Glaubst du wirklich, das ich dir da noch weiter trauen kann? Schaffe sie mir auf der Stelle her. Du weißt ja, was sonst mit dem Schädel deines Ahnen passiert!“
Bald konnten Ron und Russell erkennen, wie sich eine Frau in schwarzer, hautenger Lederkleidung auf den Thron setzte und plötzlich einen hell leuchtenden Totenschädel in der Hand hielt. Ein graues Skelett näherte sich ihr in gebeugter Haltung.
„Aber wir haben alles abgesucht, Herrin. Wir wissen nicht, wo wir noch nach ihnen suchen sollen. Sie scheinen wie vom Erdboden verschluckt zu sein.“
„Ach, Unsinn. Du hast sie her geführt, also sieh zu, das sie wieder von hier verschwinden!“
Das Skelett schien noch etwas sagen zu wollen, änderte aber seine Meinung und verließ die Halle.
Ron und Russell stockte der Atem. „Meinen die etwas uns? Wir müssen hier sofort raus!“ flüsterte Ron seinem Bruder zu.
Sie schlichen sich langsam an der Mauer entlang, doch Russell stieß gegen einen der Leuchter, so das dieser mit einem lauten Klirren zu Boden fiel. Noch schien die Frau auf dem Thron es nicht bemerkt zu haben, also schlichen sie weiter. Der Schädel aus dem Leuchter rollte direkt vor Russells Füße, Ron wollte seinem Bruder den Mund zu halten, doch es war schon zu spät.
„Ahhhh, Hilfe!“ stieß Russell aus.
Dieser Schrei blieb nicht unbemerkt, denn nun drehte sich die in schwarz gekleidete Frau nach ihnen um.
„Wen haben wir denn da?“ sagte sie hämisch, als sie langsam auf die Brüder zu ging.
„Ähm, wir sind Hinz und Kunz- niemand, den Sie kennen müßten, Miss.“ stotterte Russ los.
Ron schlug seinen Bruder auf den Oberarm. „Man, bist du blöde?“
„Au, das tat weh! Was denn? Ich hab ihr doch nur gesagt....“ – „Junge, ich glaub manchmal wirklich, das die dich nach der Geburt vertauscht haben. So blöd kann doch keiner sein!“
„Genug!“ rief die Frau. „Was wollt ihr hier? Wie seit hier her gekommen?“
„Oh, das können wir nicht sagen. Auf einmal waren wir hier.“
„Wurdet ihr von jemanden hergebracht?“
„Nein, Miss. Ich bin durch einen Spiegel in diese Welt gekommen, ich wollte eigentlich nur diesen Deppen retten und nun sind wir hier.“ antwortete Ron.
"Wie wäre es denn, wenn sie uns einfach sagen würden, wo hier der Ausgang ist und wir sind dann auch gleich wieder verschwunden“! meinte Ron zu der Frau und Russell nickte zustimmend seinen Kopf.
"Nach Hause ?" rief die Frau und fing an zu lachen. Dann wurde ihr Gesicht plötzlich wieder ganz ernst und schaute den Brüdern tief in die Augen. Sie war mindestens zwei Köpfe größer als die Maels.
"Ihr zwei habt es gewagt, in mein Reich einzudringen!", die Frau griff hinter sich und zog eine riesige Peitsche hervor. Sie schlug damit auf den Boden, so das es laut knallte. Ron lächelte und sagte seufzend zu sich: "Was für eine Frau..." Russell bekam das mit und meinte grinsend: "Ich hab’s doch geahnt ,das du auf Dominas stehst"
Ein graues Skelett war in der Zwischenzeit an die Decke geklettert und ließ ein riesiges Netz auf Russell und Ron fallen. Nun waren sie gefangen. So sehr sie auch versuchten sich zu befreien, um so mehr verhedderten sie sich in das Netz.
"Bringt sie in den Turm!"
Das Skelett steckte seine knochige Hand in den Kiefer und pfiff. Dann kamen ein Dutzend andere Skelette und trugen die Brüder in den besagten Turm. Es war dort kalt und dunkel .
"Na, haben ´se euch auch gefangen?" hauchte auf einmal eine Stimme. Russell schaute sich um und stellte fest, das sie hier nicht die einzigen Gefangenen waren.
"Was haben die mit uns vor?" fragte Russell und kauerte sich an die Wand.
Ein magerer Mann um die 40 antwortete:
"Wir werden zur Armee von Königin Roganda eingezogen!"
Ron lächelte wieder vor sich hin: "Ahh, Roganda heißt sie also. Ein Prachtweib..."
"Ich will aber nicht in die Armee! Ich will wieder nach Hause!!" rief Russell hysterisch.
"Wir werden alle auf dem Schlachtfeld sterben, glaube mir, nach Hause kommen wir alle nicht mehr!"
"Gegen wen sollen wir denn überhaupt kämpfen?" fragte Ron entrüstet.
Der Mann sagte:
"Gegen das Westreich von König Rorack!"
Ein lauter Ton ertönte im gesamten Turm und einige Skelette öffneten die Tür.
"Los kommt! Ihr werdet jetzt auf den Kampf vorbereitet!!" rief ein Knochenmann.
„Mami! Ich will nach Hause! Ich bin doch noch soooo jung! Ich habe noch nicht meine wahre Liebe gefunden. Ich will nen Emmy, nen Grammy, ich will den Oscar für die beste Filmusik.“ jammerte Russell, als ihn eines der Skelette am Arm packte.
„Hör auf zu jammern, du Wicht. Vom Sterben hat hier keiner was gesagt- noch nicht!“ antwortete ihm der Knochenmann.

Die beiden Brüder wurden in eine Art Umkleideraum geworfen, wo schon Rüstungen, Schwerter und Schilde auf sie warteten.
„Was, das sollen wir anziehen? Das steht mir doch gar nicht.“ fluchte Ron.
„Das werdet ihr anziehen und in fünf Minuten werdet ihr wieder abgeholt. Also beeilt euch!“
Kaum war der Knochenmann aus dem Raum, suchten Ron und Russell nach einem Fluchtweg. Sie tasteten die Wände ab, ob sich dahinter nicht vielleicht irgendwo eine Geheimtür versteckt. Doch sie hatten leider kein Glück.
„Na großartig. Jetzt müssen wir diese Rüstungen anlegen und dann wohl in einer Arena gegeneinander antreten, solange, bis einer von uns tot umfällt.“
„Russ, meinst du nicht, du siehst zu viele schlechte Filme? Wir sind hier nicht im alten Rom, wo wir als Gladiatoren rum laufen. Man, es muß doch nen Ausweg geben. Ich habe jedenfalls keine Lust, auf einem Schlachtfeld zu sterben, für eine Königin, von der ich noch nie gehört habe!“
„Ich würde nicht mal für Queen Elizabeth II. in die Schlacht ziehen wollen!“ wütend stampfte Russell mit dem Fuß auf. Es gab ein knarrendes Geräusch und schon brach ein Stück des Bodens durch, so das Russells Fuß steckenblieb.
„Oh, das sieht doch schon ganz anders aus. Kannst du was erkennen, Russ?“
„Hallo? Mein Fuß steckt fest! Wie bitte soll ich da was erkennen können, was da unter mir los ist?“
„Junge, hör auf rum zukaspern und zieh den Fuß da wieder raus.“ Ron stützte seine Hände wütend an die Hüften. Er konnte nicht fassen, wie dämlich sich sein jüngerer Bruder manchmal anstellen konnte.
„Steh da nicht so doof rum, hilf mir lieber, bevor diese Knochentypen wieder kommen!“
Ron zog und zerrte am Bein seines Bruders rum, bis sie es endlich geschafft hatten.
Dann traten sie ein großes Loch in den Boden, um runterzusteigen.
Unten war es stockdunkel und man konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Die Brüder nahmen sich zögernd bei den Händen. Nun stiefelten sie langsam durchs Dunkel. Ab und an bekamen sie Spinnweben ins Gesicht, aber sie liefen tapfer weiter.
Nachdem sie lange Zeit durch die Dunkelheit liefen, sahen sie endlich einen Lichtschein.
Je heller das Licht wurde um so schneller liefen sie.
"Schau mal", rief Ron "da ist ja der Spiegel!!"
Beide rannten auf den Spiegel zu und sprangen mit zu gekniffenen Augen hinein.
Sie landeten direkt in Russells Flur.
"Yeah, wir sind wieder Zuhause!" schrie Russ und küßte seinen Teppich.
Ron nahm den Spiegel von der Wand und schmiß ihn zu Boden und sagte dabei:
"Ich finde man braucht keinen Spiegel im Flur!"
Plötzlich hörten die beiden Gemurmel und Gelächter aus Russells Wohnzimmer. Sie schauten sich verdutzt an und gingen zur Wohnzimmertür. Ganz langsam öffnete Ron sie und traute seinen Augen nicht.
"Wer ist denn das?" fragte Russell neugierig. Doch Ron machte die Tür wieder zu und holte sich aus seiner Hosentasche ein Taschentuch. Er wischte sich damit den Schweiß von der Stirn.
"Russell, du mußt jetzt ganz tapfer sein, denn der Spuk ist noch nicht zu Ende!"
Russell verzog das Gesicht und schaute jetzt selbst durch die Tür. Er mußte jedoch zurückweichen, denn genau in diesem Moment kam jemand aus dem Wohnzimmer heraus.
Ron und Russell starrten die Person an: es war Russell selbst.
Nun standen sich zwei Russells gegenüber und fingen an zu schreien!
Ron hielt seinem Bruder den Mund zu und verpaßte dem anderen Russell schnell einen Kinnhaken, so das dieser zu Boden ging.
"Komm, Russ wir müssen uns verstecken!" Er zog seinen Bruder am Arm und beide versteckten sich in der Küche unterm Tisch. Russ flüsterte: "Das war aber nicht sehr nett, mir eine reinzuhauen!"
"Wieso Dir? Das war doch ein anderer Russell! Aber ich muß sagen, es war ein tolles Gefühl, ich wollte dir schon immer mal ...." Ron konnte nicht mehr weiter sprechen, denn es kamen welche in die Küche.
Es war Russell2 der sich einen Eisbeutel ins Gesicht hielt und dabei sagte:
"Warum glaubst du mir denn nicht? Da war ein Doppelgänger von dir, der mich niedergeschlagen hat!" Er sprach mit Ron2 .
"Laber nicht immer so ´nen Unsinn, du hast bestimmt zu viel Wodka, von unserer letzten Moskau -Tour getrunken!"
"Hast du wieder deine legendäre Caramel-Creme gemacht?" wollte eine Frau wissen, die sich angeheitert auch in die Küche dazu gesellte.
Ron und Russell beobachteten alles unterm Tisch und ihnen wurde klar, das sie ein paar Stunden zurück in der Vergangenheit gelandet waren. Nämlich mitten in ihrer Halloween -Party.
"Was machen wir denn jetzt?" fragte Russell verzweifelt.
"Sei ruhig, ich muß nachdenken!" antwortete Ron barsch.
"Ich habe im Schlafzimmer noch einige Halloweenkostüme im Schrank" meinte Russell. Ron murmelte: "Deine Klamotten sind alle Halloween tauglich."
"Wenn wir irgendwie ins Schlafzimmer schleichen und uns verkleiden, können wir uns unter die Gäste mischen!"
Ron schaute seinen Bruder verwirrt an:
"Das ist das erste Mal, das du mal eine gute Idee hast!"
Ron2 war damit beschäftigt, sich Caramel-Creme ins Glas zu tun und Russell2 flirtete mit der Frau. So konnten sie sich unbemerkt aus der Küche ins Schlafzimmer schleichen.
Russell kramte in seinem Schrank und holte zwei Mönchskostüme und zwei Scream- Masken hervor. In Windeseile zogen sie sich die Verkleidung über und konnten sich unerkannt unter die Partygäste mischen.
Russell2 ging Händchenhaltend mit der Frau zurück ins Wohnzimmer. Russell schaute den beiden hinterher und dachte sich: "Man, sehe ich gut aus!"
Der echte Russell setzte sich aufs Sofa, um nicht aufzufallen. Ron2 gesellte sich neben Russ und flirtete ebenfalls mit einem weiblichen Gast. Russell horchte, was Ron2 zur Frau sagte:
"Ja, weißt du, eigentlich bin ich ja Sparks. Ich schreibe und komponiere alle Lieder. Ich spiele alle Instrumente und produziere sie. Russells Stimme ist ja ganz nett, aber ich kann eigentlich viel besser singen!"
Russell konnte nicht glauben, was er da hörte und hätte Ron2 am liebsten geohrfeigt, aber er durfte ja nicht auffallen.
Ron ging zu Russell und flüsterte ihm zu: "Ich frage mich, wie lange es noch dauern wird ,bis wir auffliegen! Laß uns lieber erst mal von hier verschwinden und zu mir gehen. Wir müssen uns echt was einfallen lassen, damit dieser Alptraum ein Ende hat. Los, nix wie weg.“
Kaum hatten sie die Haustür erreicht, griff sie jemand an den Schultern.
„Wie? Ihr wollt schon gehen? Die Party ist doch noch voll im Gange.“ sagte Russell2.
„Oh, ähm. Wir haben vergessen, das wir noch was zu erledigen haben. Aber wir kommen wieder, versprochen. Das dauert, ähm, nicht sehr lange- hoffen wir.“ antwortete Ron mit verstellter Stimme. Der 2. Russ schien beruhigt zu sein, klopfte den beiden auf die Schultern und ging zurück zu den Gästen.
„Man, das war knapp.“ flüsterte Russ, als die zwei auf dem Hof standen. „Aber ich muß zugeben, ich sah heute abend besonders gut aus. Aber was bitte sollte der Blödsinn, du allein seist Sparks? Hä?“
„Och, da war doch nur ein Joke. Man mußt doch bei den Damen punkten.“
„Aber doch nicht in dem du so einen Bullshit verzapfst!“
„Hör jetzt auf zu meckern, wir verziehen uns jetzt erst mal.“

Endlich bei Ron im Hotel angekommen, ließen sie sich erst mal auf ein Sofa fallen.
„Man, ich brauch nen Kaffee.“ stöhnte Russell.
„Hab ich nicht, weißte doch. Greif zum Telefon und bestell uns mal ne große Kanne. Wir brauchen nen klaren Kopf, wenn wir wieder in unsere Zeit wollen.“
Russ tat, was sein Bruder sagte und rief an der Rezeption an, um Kaffe zu bestellen. Zwar war die Person am anderen Ende etwas mürrisch, weil er nun extra mitten in der Nacht noch Kaffee kochen sollte, aber er tat es. Wenige Minuten später brachte ein Zimmermädchen die Kanne aufs Zimmer und ging wieder. Ron bemerkte, das das Mädchen dunkle Augenringe hatte und ihre Augen gerötet waren. Super, dachte er, jetzt mußte das arme Mädchen extra wegen uns noch mal aus dem Bett. Aber er trank eine Tasse Kaffee.
„So, nun laß uns überlegen, was wir tun sollen! Wir können hier ja kein Doppelleben führen, und das im wahrste Sinne!“
„Das natürlich nicht. Ohman, ich hab echt keine Ahnung, was wir nun machen sollen. Aber so kann es ja nicht weiter gehen. Überleg doch mal: wenn die beiden jetzt in ein paar Stunden das selbe durchmachen, wie wir jetzt, dann laufen hier plötzlich drei von jedem rum, Russ!“
„Drei? Cool. Dann hätte ich ja zwei Doppelgänger, die mich auf der Tour vertreten und ich kann mich dann derweil mit den Mädels hier vergnügen. Hihi.“
Ron schüttelte den Kopf.
„Ich glaub das nicht. Wirst du eigentlich von Tag zu Tag blöder?“
„Hey! Du bist echt gemein. Ich hab auch Gefühle, falls du das noch nicht weißt!“
„Ja, ja. Und die drehen sich hauptsächlich ums andere Geschlecht. Ich frag mich echt, warum du nicht ein wenig mehr von mir mitbekommen hast!“
„Weil du doch schon alles mitgenommen hast, was du kriegen konntest. Ich hab den Rest erwischt. Bist ja nur neidisch, weil ich so gut aussehe und du ne Brillenschlange bist.“
Ron stand auf und baute sich vor seinem Bruder auf.
„Pass mal auf, wer hier gleich zur Brillenschlange wird, du vorlautes Früchtchen! Darf ich dich daran erinnern, das du ohne deine Kontaktlinsen blind wie ein Maulwurf wärst? Und mit Brille sieht du einfach nur doof aus. Aber dann siehste wenigstens auch so aus, wie du bist. Hahaha.“
„Du bist echt blöde. Warum mußt du mich immer so fertig machen?“
„Weil ich der ältere und klügere von uns beiden bin. Außerdem seh ich besser aus. Und jetzt Schluß mit dem Kinderkram. Wir müssen uns wirklich schnell was überlegen, bevor hier noch mehr solche Deppen wie du rum laufen. Dann ist L.A. bald übervölkert.“
„Wie meinst du das mit dem übervölkert?“
„Du weißt sehr gut, was ich meine. Du bist doch wie ein Kaninchen: alles was nicht bei drei auf den Bäumen ist, landet in deinem Bett. Dann laufen hier sicher bald Millionen kleiner Russells durch die Stadt!“
Russell war nun beleidigt und verzog sich ins Bad. Ron blieb allein zurück und strengte seinen Kopf ein. Es mußte ihm doch was einfallen.
Auf einmal hörte er einen lauten Knall aus dem Badezimmer. Er rannte sofort zur Tür, weil er fürchtete, Russell wäre etwas passiert.
„Ist da drin allen okay?“
„Verfluchter Mist. Das gibt’s doch nicht!- Nein, hier ist nix in Ordnung.“
„Was ist denn da drin los? Geht’s dir gut?“
Ron ging vor der Tür auf und ab und hoffte das Russell endlich raus kommen würde.
"Das ist so gemein." hörte er Russell schluchzen.
"Jetzt sag endlich was los ist!" schrie Ron genervt. Russell öffnete langsam die Badezimmetür. Kaum konnte Ron seinen Bruder sehen, fing er schallend an zu lachen. Er ging dabei in die Knie und mußte seine Brille festhalten:
"Wie siehst du denn aus??!!"
Russell hatte eine Pinoccio-Nase. Sie war ungefähr 20 cm lang und dabei ziemlich rot.
"Ich finde das gar nicht witzig!"
Ron kicherte: " Was für ein Zinken!"
"Hör auf so zu lachen und erzähl mir lieber, wie ich dieses Ding wieder weg kriege!!" schrie Russell seinen Bruder hysterisch an.
Ron fasste sich: "Ich schätze, das war’s dann, von wegen Frauenschwarm!"
"Nix da, ich fahre jetzt auf der Stelle zum Schönheits-Chirugen!!"
"Wir haben es mitten in der Nacht, du Trottel!" meinte Ron und schaute dabei auf die Uhr.
"Laß mich mal vorbei, Kleiner, ich muß mal!" Ron zwängte sich an Russell vorbei und ging ins Bad.
Plötzlich gab es wieder einen lauten Knall.
"Oh nein!" konnte Russell aus dem Badezimmer vernehmen.
Russell öffnete die Tür und sah Ron vorm Spiegel stehen. Er stellte sich neben ihn und sah das Spiegelbild seines Bruders. Ron hatte auf einmal einen schwarzen langen dichten Vollbart. Sein Mund war gar nicht mehr zusehen.
"Russell sag, das das nicht wahr ist!" sprach Ron durch seinem Bart.
Russ grinste ihn an. "Du solltest dich mal wieder rasieren!"
Ron griff sofort zur Rasierklinge und schnitt sich den Bart wieder ab. Aber kaum hatte er ihn abgeschnitten wuchs er, wie von Geisterhand wieder nach. Er versuchte es immer und immer wieder vergeblich, bis er wütend die Rasierklinge zu Boden schmiß.
Russell und Ron ließen sich auf den Fußboden nieder.
"Was machen wir denn jetzt!" fragte Russell
"Erschießen...erhängen..., vielleicht habe ich auch noch´n paar Schlaftabletten irgendwo rum fliegen." meinte Ron und schaute auf seinen Bart, der mittlerweile weiter gewachsen war.
"Wir können uns ja in Zukunft Pinoccio und Rasputin nennen." fügte Ron hinzu.
Plötzlich fing das Klo an zu sprudeln. Die Brüder sprangen vom Boden auf und schauten zur Toilette.
"Was ist denn jetzt los?" schrie Russ und klappte den Klodeckel hoch.
Es sprudelte und sprudelte und auf einmal konnten sie einen Kopf auftauchen sehen.
Russell und Ron wichen erschrocken zurück, wobei Ron über seinen langen Bart stolperte.
"Hallooooo!" rief der Kopf.
"Ich bin Lokustieftaucher und wollte euch mal besuchen?"
Russell und Ron staunten verdutzt dieses komische Männeken an, was da so freundlich zu ihnen rüber schaute.
„So!“ schrie Ron – „jetzt reichts mir langsam wirklich! Dieser Alptraum muß doch mal ein Ende haben! Jetzt haben wir hier noch nen Toilettentieftaucher im Hotelzimmer. Falls ihr mich sucht: ich bin unten an der Bar zu finden. Ich bin der, der so aussieht, wie der Typ aus „Herr der Ringe“, ihr wißt schon, der mit dem Bart. Tschüss.“ Sprachs und machte sich aus dem Staub. Russell stand nun allein mit dem merkwürdigen Männchen im Bad rum.
„Hm, und? Wie geht’s so? Alles klar da unten im Klo? Ist das Leben noch frisch oder eher nicht so? Hm? Jaja, dumdidum.“ fragte Russ etwas verwirrt.
„Ähm, schade, das dein Bruder nun schon verschwunden ist. Denn ich könnte euch vielleicht helfen.“
Das kleine Männchen kroch nun langsam aus der Toilette. Er schüttelte sich kurz das Wasser ab, wobei er aus sah, wie ein nasser Hund.
„So? Und wie willst du das anstellen? Und nun sag mir nur nicht, das wir da in die Toilette sollen. Da bekommt mich keiner rein. Ich bin froh, das ich meine Haare nach dem Waschen endlich glatt bekomme, was mich um ehrlich zu sein schon Stunden kostet, und da steig ich sicher nicht noch in den Lokus, wo meine Haare gleich wieder aussehen, wie will und kann nicht!“
„Keine Sorge, mein Freund. Es ist alles viel einfacher, als du denkst. Doch zuerst sollten wir deinen Bruder wieder zurück holen.“
Also machten die zwei sich auf den Weg, um Ron zu suchen. Der kleine Toilettentieftaucher saß dabei auf Russells Schulter. Wäre das ein ganz normaler Tag gewesen, hätte Russell sich wohl geweigert, den kleinen Kerl auf die Schulter zu nehmen, aber heute wunderte ihn so gar nichts mehr, also wars ihm egal.
Es dauerte nicht mehr lange, da fanden sie einen schon recht angeheiterten Ron an der Bar sitzen.
„Jaaaa-hicks- so war das damals inne siebzicher Jahre, nech. Aber jetz. Hicks- heude is so ein richtich plöder Tach. Blödes Hallodingsda. Nie wieder-hicks-nie wieder laß ich meinen Bruder so eine Pardy schmeißen. Irgendwas is immer -hicks- immer passiert was.“ Ron beschwerte sich beim Barkeeper über seinen Bruder, und trank munter einen Whiskey nach dem anderen. Nach diesem Tag konnte er auch den einen oder anderen Drink brauchen. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er grad auf der Toilette gesessen hätte und der kleine Tieftaucher kommt hoch gekrochen! Brrr, das wollte Ron sich dann doch nicht vorstellen. Für heute hatte er genug von Horrorgeschichten. Doch er blieb nicht verschont, denn bald sah er seinen Bruder mit diesem Lokustieftaucher auf der Schulter. Ron mußte lachen, sah Russell doch aus wie Cyrano de Bergerac mit einem Kobold auf der Schulter.
„Was wollt denn ihr hier? Kann man sich nich mal in Ruhe bedrinken?“
„Hör auf, so mürrisch zu sein, Ronnie. Der kleine Kerl kann uns vielleicht helfen.“
In dem Moment hörten die Brüder auch schon, wie jemand „Hallo Russell!“ rief. Russ drehte sich um, aber es war nicht er, auf den jemand zu ging, sondern in einer Ecke der Bar saß noch ein Russell.
„Ach du Schreck! Ist das jetzt der von der Party bei mir, oder ist das jetzt die Nummer 3?“
„Ohman, ich will nach Hause. Ich bekomme von dem ganzen Theater langsam Kopfschmerzen.“
„Ron, das liegt nicht an diesem ganzen Unsinn, den wir heute erleben. Ich glaub, der letzte Whiskey war schlecht und jetzt bekommst du eben Kopfschmerzen. Lass uns am besten zurück ins Zimmer und ne Lösung finden.“
Gesagt, getan. Niemand schien diese beiden merkwürdigen Personen bemerkt zu haben außer dem Barkeeper, also sah ihnen auch niemand nach.

Im Hotelzimmer:
„Wenn ihr nichts unternehmt, wird es bald noch viel mehr von euch geben. Doch sie werden nicht alle so sein wie ihr, sondern jede neue Version von euch wird seinen eigenen Charakter haben.“ sagte das Männchen.
„Du meinst also, das dann welche von uns unterwegs sein werden, die richtige Mistkerle sind?“
„Ganz genau. Von Kopie zu Kopie wird etwas von den Originalen ausgelöscht, bis es eine Kopie gibt, die das genaue Gegenteil von euch ist. Wir müssen also bald etwas unternehmen, damit es gar nicht erst soweit kommen kann.“
Russell rutschte nervös auf einem Stuhl hin und her.
„Weißt du denn, was wir tun müssen, um diesen Alptraum zu beenden?“
Das Männchen nickte lächelnd. „Ja, aber dafür müßt ihr mir in meine Welt folgen.“
Ron sprang verärgert auf. „Na großartig. Nun sollen wir auch noch runter in die Kanalisation steigen, wo es nur so wimmelt von Ratten und anderem Ungeziefer!“
„Nein, nicht die Kanalisation, sondern in meine Welt, Sparksville.“
„Cool, es gibt ne Welt, die nach uns benannt wurde? Ist ja echt super.“ freute Russell sich.
„Ganz genau. Ihr seit unsere Helden und darum wurde ich zu euch geschickt, um euch zu helfen. Wir haben nämlich gesehen, was passiert ist und wir haben auch gesehen, was geschehen wird. Doch wir sollten unsere Zeit nicht vertrödeln, sondern uns beeilen. Denn in der Zeit wo wir hier miteinander reden, kommen noch mehr Kopien von euch in die Stadt.“
„Hm, hört sich alles ziemlich merkwürdig an, du Lokustaucher. Woher willst du denn wissen, das wir das Original sind?“
„Weil nur die Originale uns sehen können. Da ihr beide mich sehen könnt, müßt ihr die richtigen Mael Brüder sein. Also, los. Wir müssen uns sputen.“ Der kleine Kerl rannte ins Bad und sprang auf den Rand der Toilette. Als er grade hinein springen wollte, packte Ron ihn am Arm.
„Moment mal, mein Kleiner. Wie sollen wir zwei bitte da rein passen? Wir sind doch viel zu groß! Willst du uns etwa auf den Arm nehmen?“
„Keine Sorge, Ron. Komm her. Stell dich auf den Rand und hüpf hinein. Du wirst sehen: die Toilette und die Brille werden sich eurer Größe anpassen.“
Ron und Russell sahen sich fragend an, Russ zuckte mit den Schultern und erklärte sich bereit, es zu versuchen. Er warf aber ein, sollte er stecken bleiben, solle man ihn hinunterspülen, denn er wollte nicht, das man seine Leiche in der Toilette fände. Ron mußte lachen, versprach ihm aber, den Abzug zu betätigen, sollte sein Bruder stecken bleiben, auch wenn er nicht glaubte, das das einen Unterschied machen würde.
Russ stieg also auf den Rand und folgte dem kleinen Männchen mit einem Sprung. Er wunderte sich, das der Toilettentieftaucher Recht behielt. Kaum war gesprungen, änderte alles seine Größe, so das er perfekt durch die Rohre paßte, trotz der großen Nase.
Ron blieb verwundert allein im Bad zurück. Er hörte plötzlich, wie jemand an die Zimmertür klopfte und laut nach ihnen rief. Also fackelte er nicht lange und sprang den beiden hinter her.
So rauschten Ron und Russell durch die Kanalisation. Vorbei an Ratten und undefinierbaren Gegenständen. Der Geruch war kaum auszuhalten, besonders für Russell war es ein Alptraum, da er mit seiner großen Nase deutlich mehr riechen konnte, wie gewohnt.

Nach einigen Minuten plumpsten allesamt aus einem Rohr, direkt in die Stadt Sparksville.
Lokustieftaucher stand als erster auf und reckte sich:
"Willkommen in Sparksville!!" rief es und schaute dabei lächelnd zu, wie Ron und Russell übereinanderlagen.
"Nimm Deine schreckliche Nase aus meinem Gesicht!" schrie Ron seinen kleinen Bruder an. Dieser hatte sich mit seiner Nase in Rons Bart verheddert.
Als die beiden es endlich schafften, auch aufzustehen, schauten sie sich staunend um.
Überall hingen Plakate der beiden und aus jedem Haus ertönten verschiedene Sparkssongs.
"Mensch, das ist ja phantastisch!" rief Russell.
"So, jetzt gehen wir mal zusammen zum Sparksville-Oberbürgermeister. Der kann euch nämlich in euer altes normales Leben zurückbringen!" meinte das Männchen und ging entschlossen voran.
Ron hatte Mühe, Schritt zuhalten, denn er stolperte dauernd über seinen Bart, so das Russell ihn immer wieder auffangen mußte.
Mittlerweile haben sich alle Sparksville- Einwohner auf den Straßen versammelt, da sie erfahren haben, das die echten Sparks in ihre Stadt angekommen sind.
Es standen die hübschesten Mädchen da und tuschelten untereinander. Russell legte sein verführerischstes Lächeln auf. Doch als er an einem Fenster vorbeikam und sein Spiegelbild sah, vergrub er schnell sein Gesicht in seine nasse Jacke.
Endlich waren sie angekommen und der Bürgermeister empfing die Brüder mit einem großem Tusch!
"Es ist uns eine große Ehre, sie lieber Ron und lieber Russell, in unserer Stadt willkommen zu heißen!" sprach er in ein großes Mikrofon.
"Bitte, mein Herr," sprach Ron durch seinen Bart, " bitte machen sie, das wir wieder normal aussehen!!"
Der Bürgermeister zog einen Zauberstab und sprach:
"Natürlich! Nichts lieber als das! Ich werde die Zauberworte sprechen und sie werden wieder rundum die Alten sein!"
Russell und Ron schlossen ihre Augen und konnten es nicht abwarten, das sie endlich wieder in ihr altes Leben zurückkehren konnten.
Doch plötzlich sprach der Bürgermeister nicht mehr weiter. Ein riesiges Geschrei erfüllte die Stadt. Der Bürgermeister und fast alle Einwohner wurden hysterisch. Feuer brach aus. Alles versuchte sich in Sicherheit zubringen.
Russell und Ron sahen wie eine Armee von Rons und Russells auf sie zukamen und einem nach den anderen niedermetzelten.
Lokustieftaucher schrie die beiden Brüder an:
"Oh nein! Es ist zu spät! Wir können euch nicht mehr helfen! Eure Kopien sind schon in der Überzahl und werden uns alle vernichten!
Russell und Ron konnten nicht mehr flüchten. Sie waren schon von abertausenden Mael-Brüdern umzingelt. Diese taumelten wie Zombies auf die beiden zu und machten dabei eine unsagbar schreckliche Fratze!
Ron und Russell wußten, das nun ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Sie kauerten auf dem Boden und hielten sich aneinander fest!
"Nein! Nein! Ich will noch nicht sterben! Ich will noch nicht sterben!!!!"
schrie Russell .


"Wach auf, Russell!" rief Ron und rüttelte seinen kleinen Bruder wach.
"Ron?!" rief Russell und schaute seinen Bruder fragend an.
"Wo ist denn dein Bart?"
"Hä?" meinte Ron
Russell faßte an seine Nase: "Meine Nase! Sie ist nicht mehr lang!!" rief er, umarmte Ron und küßte ihn.
Ron versuchte seinen Bruder weg zu schubsen, aber der ließ ihn nicht mehr los. Er klammerte sich ganz fest an ihn.
"Bist du jetzt ganz übergeschnappt?"
"Wir sind wieder zuhause. Die Zombies haben uns nicht gekriegt."
Ron schüttelte den Kopf:
"Ich weiß nicht was du geträumt hast, aber ich an deiner Stelle würde zusehen, schnellstens aufzustehen!"
Russell richtete sich auf und lächelte vor sich hin wie ein Honigkuchenpferd.
"Ach, es war also nur ein Traum. Naja. Ich werde demnächst vor dem schlafen gehen, keinen Kaffee mehr trinken. Davon träumt man einfach zu intensiev!"
Ron ging zur Tür und sagte dabei:
"Ich glaube da sind schon die ersten Gäste..!"
"Gäste?" fragte Russell verdutzt.
"Na, für die Halloween-Party, die du heute Abend schmeißen willst....!"

In der dunklen Nacht konnte man aus dem kleinen Häuschen in Coldwater Canyon eines besonders gut hören: einen schreienden Russell...... .

ENDE

1 Kommentar:

meikken hat gesagt…

Es ist echt aufregend sich unsere "alten" Sparks- Geschichten nach so langer Zeit mal wieder durchzulesen. Der Film der dabei im Kopf abläuft macht richtig spass !
Da haben wir echt etwas geniales geschaffen !
Wenn man doch nur perfekt englisch sprechen könnte, oder jemand kennen würde, der das ins englische übersezt. Das wäre dann ein tolles Fan- Geschenk für die Maels. Ich denke doch das die das lesen würden, oder eher nicht??
Aufjedenfall müssen wir weiterschreiben und die beiden noch mehr Abenteuer durchleben lassen!